Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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nochmaligen kurzen Rückblick maßgebend ſein. Nicht, daß ich noch im Einzelnen zu ſchildern verſuchte, welch glänzende äußere Stellung im Leben und in der Wiſſenſchaft er zuletzt errungen hatte, wie er durch Orden und Titel ausgezeichnet, durch Aufnahme als Mitglied zahl⸗ reicher in⸗ und ausländiſcher wiſſenſchaftlicher Societäten, durch Be⸗ rufungen nach außen auch noch in Göttingen geehrt worden ſei. Nein. Der Glanz aller dieſer Dinge, die ſein Leben ſchmückten, iſt unwider⸗ bringlich dahin. Aber der Segen ſeiner Thätigkeit ſelber bleibt und warum dieſer ein dauernder ſein wird und ſein muß, verſuche ich im Folgenden darzulegen durch gedrängte Schilderung ſeines Wirkens als akademiſcher Lehrer, als Schriftſteller und als Menſch.

Wer Hermann in ſeiner beſten Zeit geſehen hat, eine kräftige Mannesgeſtalt, groß und breitſchultrig, die Stirne breit unter dem ſtraff emporſtehenden Haar hervortretend, aus dem dunkeln Auge ſcharfe Blicke hervorſendend, ſein ganzes Weſen imponirend, der ſollte wohl denken, daß auch ſein Vortrag im Auditorium gleich von Anfang einen überwältigenden Eindruck auf ſeine Zuhörer ausgeübt habe. Aber dem war nicht ſo. Was man gewöhnlich eine glänzende Rednergabe nennt, beſaß er nicht. Dem war ſchon ſein ungünſtiges Organ mit bald höherer, bald tieferer Stimmlage im Wege. Auch war ſeine Haltung, ähnlich wie es Homer von dem in der Verſammlung auftretenden Odyſſeus berichtet, bei ſeinem erſten Auftreten etwas gebückt und wenig verheißend; aber wenn er dann auf ſeinen Gegenſtand näher einging, flogen auch ihm die Worte wie ſtöbernde Flocken vom Munde; ſein Muskelſpiel, ja die Bewegungen der Glieder zeigten, wie lebhaft der Redner ſelbſt von ſeinem Gedanken ergriffen war. Und wer dann die⸗ ſem Gedanken, der eben ſo ſtreng logiſchen, als reichen Entwicklung des ganzen Thema's folgte, fühlte ſich gefeſſelt und von Stufe zu Stufe mit fortgeriſſen. Dieſe anregende, dieſe Ueberzeugung ausſtrömend⸗ und weckende Kraft ſeiner Rede, die im Moment für den friſch ente ſtehenden Gedanken das rechte Wort ſuchte und fand, war es, die nach dem einſtimmigen Zeugniß ſeiner Zuhörer Hermanns Lehrthätigkeit einen ſo ungemeinen Erfolg verſchaffte. Freilich auf der Unterlage einer eben ſo geiſtreichen, als gelehrten Auffaſſung ſeines Gegenſtandes. Wären dieſe letztern Eigenſchaften ſeiner Vorleſungen nicht durch viele Zeugen beglaubigt, wären ſie nicht eine faſt nothwendige Folge ſeiner Stellung in ſeiner Wiſſenſchaft überhaupt, wovon unten, ſo leuchtete dieß ſchon zur Genüge aus den nach ſeinem Tode herausgegebenen