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Schrift und Rede einſtehend, von jedem Erfolg zu neuem Eifer ange⸗ ſpornt, riß er ſchon durch ſein Beiſpiel die Jugend mit ſich fort und hatte von dieſer Seite bald die erfreulichſten Reſultate gewonnen. In anderer Beziehung freilich ſollte in Heidelberg auch ſeine Geduld und Ausdauer auf eine harte Probe geſtellt werden. Ich rechne dahin we⸗ niger, daß er ſich vorerſt durch die damaligen Univerſitätsverhältniſſe bei der Wahl ſeiner Vorleſungen auf Erklärung griechiſcher Proſaiker und Geſchichte der alten Philoſophie beſchränkt ſah, woran ſich dann in Folge des localen Bedürfniſſes auch noch Vorleſungen über alte Ge⸗ ſchichte anreihten. Immerhin mochte dabei auch ſeine perſönliche Nei⸗ gung mitgewirkt haben. Aber daß man ihm nach mehrjährigem an⸗ geſtrengtem Arbeiten auf dem genannten Gebiete, ſelbſt nachdem er im Jahr 1829 die ihm angetragene Stelle eines Geſchichtslehrers am hie⸗ ſigen Gymnaſium abgelehnt hatte, von Seiten der badiſchen Behörde teine Art äußerer Anerkennung zu Theil werden ließ, dünkte ihm und Andern ungerechtfertigt. Von Herbſt 1826 bis Oſtern 1832 hat er zu Heidelberg 52 Vorleſungen gehalten; neben den beiden geſchichtlichen Vorträgen 15 verſchiedene Schriftſteller interpretirt und die Arbeiten einer Geſellſchaft junger Philologen geleitet. Als Probe ſeiner⸗gram⸗ matiſchen und kritiſchen Tüchtigkeit hatte er ſchon 1828 Lucians Werk über die Kunſt der Geſchichtſchreibung in geläutertem Text mit kritiſchen Noten und einem fortlaufenden grammatiſchen und ſachlichen Commen⸗ tar herausgegeben. 1831 folgte das Lehrbuch der griechiſchen Staats⸗ alterthümer, das dem Verfaſſer in den weiteſten Kreiſen einen wohl⸗ verdienten Ruhm einbrachte. Daneben fand Hermann noch Zeit, um außer manchen Gelegenheitsſchriften in verſchiedene wiſſenſchaftliche Journale Recenſionen von ſelbſtſtändigem Werth über bedeutendere Er⸗ ſcheinungen in der Philologie, wie z. B. über die Stallbaum'ſche Aus⸗ gabe des Plato und das Corpus inscriptionum Graccarum von Böckh, zu liefern. Trotz allem dieſem bot man ihm in Heidelberg erſt dann eine außerordentliche Profeſſur ohne Gehalt, als ihm von Marburg aus im Februar 1832 ſchon eine ordentliche Profeſſur mit entſprechen⸗ dem Gehalt angetragen worden war. Wen konnte es unters ſolchen Umſtänden wundern, daß Hermann bei aller Anhänglichkeit an Heidel⸗ berg ſich zur Ueberſiedelung nach Marburg entſchloß. Und, wie der Erfolg lehrte, that er wohl daran. Denn an ſeinem neuen Wohnort geſtatteten ihm die Verhältniſſe einen vollſtändigen Cyklus von zꝛphilo⸗ logiſchen Vorträgen zu entwerfen und durchzuführen, der ihm Gelegen⸗


