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Heerſtraße, ſo war dieß zwar mit mancherlei Beſchwerden und Gefahren verbunden, lohnte ſich aber anderſeits durch genauere Kenntniß des Landes und mancher bis dahin weniger beachteten Alterthümer. In letzterer Beziehung verdienen namentlich Erwähnung die cyelopiſchen Bauten bei Alatri und Segni, die Hermanns Intereſſe beſonders in Anſpruch nahmen und über deren Anlage und Plan er in ſeinen Brie⸗ fen aus dieſer Zeit ſchon dieſelbe Anſicht darlegt, die ſich noch in der nach ſeinem Tode herausgegebenen Culturgeſchichte feſtgehalten findet. In Neapel hatten die beiden Reiſenden während eines etwa zweimonat⸗ lichen Aufenthalts Gelegenheit, nicht bloß durch wiederholten Beſuch von Herculanum und Pompeji, ſondern vorzüglich auch durch faſt täg⸗ liches Verweilen im Museo Borbonico und andern Sammlungen ihre antiquariſchen Kenntniſſe bedeutend zu erweitern. Förderlich war ihnen dabei namentlich die Liberalität eines gelehrten Geiſtlichen de Jorio, der ſie durch ſeinen Rath und die ihnen zugeſtandene Benutzung ſeiner reichen Sammlung von Büchern und Antiquitäten vielfach unterſtützte.
Zwiſchendrein wurden Ausflüge in die Umgebung, wie nach dem Veſuv, nach den Inſeln Iſchia, Procida, Capri, dann nach Salerno und Päſtum u. ſ. w. gemacht. Dagegen mußte die Fortſetzung der Reiſe nach Sicilien, die man beabſichtigte, wegen eines Unfalls von Hermanns Reiſegefährten und weil Hermann ſelbſt am Ende des Sommerſemeſters in Heidelberg zurück ſein mußte, aufgegeben werden. Der Rückweg von Neapel ging durch das Abruzzengebirg, wobei ſie den Fucinerſee mit ſeinem uralten emissario berührten. Erſt bei Tivoli kamen ſie wieder in die niedere Landſchaft herab. Nach einem dießmal kürzern Aufent⸗ halt in Rom reisten ſie dann nach Florenz und, nachdem ſie die dorti⸗ gen Kunſtſchätze kennen gelernt, über Genua nach Turin, um an letz⸗ terem Ort die damals in ihrer Art bedeutendſte Sammlung ägyptiſcher Alterthümer zu ſtudiren. Von nun an eilten ſie ſo ſchnell als möglich der Heimath zu und trafen dann auch Anfangs September glücklich in Frankfurt wieder ein. Doch gönnte ſich Hermann keine lange Raſt im Kreiſe der Seinigen. Ihm galt es, ſofort in Heidelberg in den Beruf einzutreten, der von nun an ſein ganzes Leben ausfüllen ſollte. Mit den ſtrengſten Forderungen an ſich ſelbſt in ſeiner Wiſſenſchaft als For⸗
ſcher und akademiſcher Lehrer zu wirken, hatte er ſich gelobt und die⸗
ſem Gelübde blieb er treu bis zu ſeinem Tod. Immer in der vor⸗ derſten Reihe ſeiner Fachgenoſſen thätig, für ſeine Ueberzeugung mit


