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eine große alte Kirche ein, Sta. Maria in Araceli. Von der alten Pracht und Herrlichkeit iſt jede Spur verſchwunden, ebenſo von der eigentlichen Burg des alten Roms, die auf der gegenüber liegenden Kuppe, nach der Seite der Tiber hin, lag. Nur den Tarpejiſchen Felſen, von wel⸗ chem Hochverräther herabgeſtürzt zu werden pflegten, zeigt noch ein ge⸗ ſprächiges altes Mütterchen in ſeinem Hausgärtchen, nicht ohne Wahr⸗ ſcheinlichkeit; denn wenn ſich auch durch die Trümmer und den Schutt, in welchen ſo viele Herrlichkelten durch ſo viele Verwüſtungen verwan⸗ delt worden ſind, der Boden unten bedeutend erhöht hat und Häuſer bis dicht unter den Felſen heraufgebaut ſind, ſo iſt es doch immer noch hoch genug zum Halsbrechen. Aber das muß man ſagen, eine ſchöne Ausſicht genoſſen die Unglücklichen vor ihrem Tode, und dieſe allein würde die kleine Mühe lohnen, dieſe Denkſtätte republikaniſcher Härte aufzuſuchen, wo Manlius, den Retter Roms, an derſelben Stelle, wo er allein ſich den ſtürmenden Galliern entgegengeworfen hatte, freilich nicht unverdient der Tod von Henkershand traf. Das Plateau zwiſchen beiden Kuppen bildet noch jetzt den Platz des Capitoliums, eine der größten Zierden auch des neuen Roms. Die Statue Marc Aurels zu Pferde von Bronze, unbeſtritten die herrlichſte Reiterſtatue, die die Erde kennt, prangt in ſeiner Mitte; drei herrliche Gebäude, die Michel Angelo in einem großen Geiſte, obgleich nicht ohne Ueberladung mit Muſcheln und Guirlanden, ausgeführt, ſchließen ihn ein; gradeaus der Palaſt des Senators; zu beiden Seiten rechts das Gebäude des capi⸗ toliniſchen Muſeums, links der Palaſt der Conſervatoren. Die Gallerie an der vierten offenen Seite des Platzes zieren außer andern Antiken namentlich die beiden berühmten capitoliniſchen Roſſebändiger. Zwiſchen beiden hindurch bildet eine breite Treppe den Hauptaufſtieg aufs Ca⸗ pitol. Der Hauptaufgang in der alten Zeit war von der Seite des Forums, d. h. von der Südſeite. Der gegenwärtige iſt von der Nord⸗ ſeite oder in der Richtung des ehemaligen Marsfeldes, das jetzt einen Haupttheil der neuen Stadt trägt, in alter Zeit aber bis auf Aurelian nicht einmal zur Stadt Rom ſelbſt gehörte.“— Der Durchforſchung Roms und ſeiner Umgegend, einbegriffen die Ausflüge nach Oſtia und Veji, den Albanerbergen u. ſ. w., widmeten die beiden Freunde die Zeit von der zweiten Hälfte des Dezember 1825 bis 6. April 1826. Dann ſchlugen ſie den Weg nach Neapel ein. Verfolgten ſie auf dieſer Reiſe, ſowie auf den oben genannten Ausflügen, nicht immer die gewöhnliche


