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zur Porta del Popolo geleiteten. Die Formalitäten der Polizei, der Dogana, waren bald abgethan und wir nun frei uns ſelbſt überlaſſen am Ziel unſerer Wünſche, aber viel heimiſcher gleich zum Anfange⸗ als in irgend einer andern der bisher durchreisten Städte. Dazu war doch die Philologie einmal nütze, um alsbald durch die graden und ſchönen Straßen des neuen Rom ſicher in und durch das Gewirre der großen Ruinen des alten zu geleiten. Hier, wußte ich, mußte das Fo⸗ rum Trajans liegen und die Trajansſäule ſtand vor unſern Augen; etwas ſchräg rechts hinüber das große römiſche Forum, und ſchon lud uns von ferne des Septimius Triumphbogen Beifall winkend ein. Die Säulen des Jupiter Stator, des Concordientempels, der Curie ſtanden vor uns; wir ſtürmten aufs Capitol, die Reiterſtatue Mare Aurels, die Flüſſe Nil und Tiber, die Roſſebändiger traten uns grüßend entgegen; gegenüber erhoben ſich die farneſiſchen Gärten, das große Grab der alten Kaiſerpaläſte mit ihrer Pracht; nun wieder hinunter am Fau⸗ ſtinen⸗, am Friedenstempel vorüber, durch den Bogen des Titus nach dem Coloſſeum; ſo muß man fühlen, wenn man einen Freund, mit dem man lang, doch nur in weiter Ferne, im herzlichſten Verkehr ge⸗ ſtanden, zum erſten Mal von Angeſicht zu Angeſicht ſieht und nun alles in dem Entfernten Geahnte in dem Gegenwärtigen wirklich vorhanden findet.“— Daß aber Hermann nicht bloß unter dem erſten überraſchen⸗ den Eindruck von ſo freudiger Begeiſterung ergriffen war, daß er auf der ganzen Reiſe alles Erhebende, das ihm Kunſt, Alterthum und Naturſchönheit darboten, mit immer offenem Sinn in ſich aufnahm und zu lebendiger Anſchauung geſtaltete, davon liefern die 25, oft mehr als 60 Seiten haltenden Brieffaſcikel, die er damals niederſchrieb, einen fortlaufenden Beleg. Freilich muß ich mir, eingedenk meiner nächſten Aufgabe, verſagen, aus dieſer reichen Quelle weiter zu ſchöpfen. Nur die etwas eingehendere Schilderung des römiſchen Capitols möge mir als letzte Probe auszuheben geſtattet ſein:„Das Capitol, jetzt Campi⸗ doglio genannt, oder eigentlicher zu reden, der capitoliniſche Berg, unter den Hügeln des alten Rom derjenige, der wegen ſeiner Höhe und ſeiner Schroffheit den Namen eines Berges noch am meiſten verdient, hat bekanntlich 2 Kuppen, die in ihrer Mitte ein geräumiges Plateau ein⸗ ſchließen. Die Kuppe rechts, wo einſt der Tempel des capitoliniſchen Jupiter mit ſo vielen andern Heiligthümern thronte, wo die Conſuln ſchworen, wo die triumphirenden Feldherren opferten, nimmt jetzt ganz


