Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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wird, ein ewig denkwürdiger Punkt. Zuerſt drang das Rauſchen der brandenden Wogen zu unſern Ohren; wir eilten weiter und über die Wälle weg blitzte der ferne Meeresſpiegel im Glanz der Mittagsſonne uns in die Augen; auf den Wall hinauf und die gräulich blaue Fluth lag offen ausgebreitet unter unſern Füßen. Ein leichter Landwind ſetzte die Wellen in ſanfte Bewegung; nur an den Sandhügeln des Geſta⸗ des und an entfernten Felſenriffen brandete es in weißem Schaum; viele Schiffe, die jener Wind ſich zu nähern verhinderte, ſahen und zählten wir auf der hohen See, während vier Fiſcherbarken aus der Stadt, von demſelben Wind getrieben, pfeilſchnell vorübereilten und nach wenigen Minuten nur noch durch ihre aufgeſpannten Segel, auf welche die Sonne ſchien, am fernen Horizont ſichtbar waren. Es iſt ein Gefühl ganz eigener Art, wie es bei jedem Gegenſtand, der einzig in ſeiner Gattung, und ſein eigener Maßſtab iſt, nicht anders ſein kann, das ſich bei dieſem Anblick in uns regte; es iſt ganz anders und viel größer, als man es ſich je hat denken und vorſtellen können, und gleich⸗ wohl fühlt man beim erſten Blick, daß es gar nicht anders als eben gerade ſo ſein konnte und mußte; der Menſch vermag das Unend⸗ liche nur zu ahnen; erſcheint es aber wirklich vor ſeinen Blicken und gelangt er zum Schauen, ſo grüßt er es freundlich als einen alten Be⸗ kannten und Verwandten. Unſere Wonne war unbeſchreiblich, wir eilten hinunter an den Strand, ſammelten bunte Muſcheln und ſpielten mit den Wellen, die unſere Füße netzten. Und ſo iſt es recht; in dieſem Wunderland muß man werden wie ein Kind; alles beſehen, betaſten wollen; dann wird man auch wie neugeboren daraus hervorgehen. Von Venedig unternahmen unſere Reiſenden noch einen Ausflug nach Trieſt und den Adelsberger Höhlen, um bald nach ihrer Rückkehr die Lagunenſtadt für immer zu verlaſſen. Ihr nächſter Weg führte nach Verona, wo unter den römiſchen Alterthümern namentlich das Amphitheater ihre Bewunderung erregte, und von da nach Mantua. Darauf nahmen ſie die Richtung längs der adriatiſchen Küſte über Sinigaglia nach Loreto und überſchritten dann den Apennin, um das Hauptziel der Reiſe, die ewige Roma aufzuſuchen.Schon von ferne, ſchreibt Hermann,verkündigten die Reſten alten Mauerwerks die große Ruine einer Welt; die Kuppel der Peterskirche ſtieg wie ein ſchwarzer Fels hinter den Hügeln hervor; dann gings eilends bergab und der Ponte molle, der alte pons Milvius, führte uns auf das linke Tiberufer zurück, wo eine fortwährende Reihe von Landſitzen und Gärten uns bis