Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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Aber mochte Hermann auf der Univerſität immerhin, wie ſich einer ſei⸗ ner Lebensbeſchreiber ausdrückt, ein friſches, fröhliches Studentenleben geführt haben, vor den mannigfachen Klippen deſſelben ſicherte ihn die echt chriſtliche Erziehung, die er bei den Eltern und in Eichhoffs Hauſe erhalten hatte und ihr verdankte er es, wie er als Mann oft geäußert, daß er mit reinem Gewiſſen auf ſeine Studienzeit zurückblicken konnte. Gottesfürchtigen Sinn, von allen die herrlichſte Gabe, euoeᷣtνν jes 1009 ε0εοστ⁴σν εέεεν³ ναςεν, wie er ihn ſelbſt in einem griechiſchen cermen aus dieſer Zeit als das höchſte der Lebensgüter einem nahen Verwandten anpreist, hatte er aus der Heimath mitgenommen und ihn brachte er auch unverſehrt wieder mit zurück. Im elterlichen Hauſe lebte Hermann nun ſeinen Studien und trat, nachdem er im Frühjahr 1824 der Heidelberger philoſophiſchen Facultät ein specimen commen- tarii critici in Plutarchi de superstitione libellum vorgelegt, summa cum laude in die Zahl der rite promovirten Doctoren der Philoſophie. Im Juli des folgenden Jahres erhielt er auf ſein Anſuchen vom Cu- ra'orium der Univerſität Heidelberg die Erlaubniß, ſich daſelbſt als Docent zu habilitiren. Dennoch begann er ſeine dortigen Vorleſungen nicht ſofort, ſondern zog es vor, theils um ſich von den namentlich in der letzten Zeit angeſtrengt betriebenen Studien zu erholen, theils ſei⸗ ner weitern wiſſenſchaftlichen Ausbildung wegen vorher noch(Ende Juli 1825) mit ſeinem Freunde Häberlin eine Reiſe nach Wien und Italien anzutreten. Sie wandten ſich zuerſt nach der Schweiz, um dann über Tyrol und Salzburg nach Wien zu gelangen, wo die reichen Samm⸗ lungen bedeutende wiſſenſchaftliche Ausbeute lieferten. Dann führte das Intereſſe an den dort erhaltenen großartigen Alterthümern die Reiſen⸗ den bis an die ungariſche Grenze zu den Trümmern des alten Carnun- tum in der Nähe des heutigen Heimburg. Von Wien nahmen ſie den Weg durch Steyermark, Kärnthen, Tyrol nach Venedig, das ihr volles Intereſſe in Anſpruch nahm, nicht bloß durch ſeine reichen Kunſtſchätze und die Eigenthümlichkeit ſeiner Lage und der Lebensweiſe ſeiner Be⸗ wohner, ſondern auch, weil ſie dort vom Lido aus zum erſten Mal den Anblick der offenen See genoſſen. Wie mächtig dieſer erſte Eindruck die empfängliche Seele der jungen Reiſenden getroffen, kann ich nicht beſſer ſchildern, als mit Hermanns eigenen Worten aus einem Briefe nach der Heimath.Vom Lido aus bietet ſich zuerſt der Anblick des offenen Meeres auch ohne die leiſeſte Uferbegrenzung am fernſten Ho⸗ rizonte, für jeden, dem wie uns das große Schauſpiel zum erſten Mal