Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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Autor vermuthen dürfte. Wer aber nach ſolcher Beſchäftigung des an⸗ gehenden Studenten auf ein eingezogenes, bloß den Studien gewidmetes Univerſitätsleben Hermanns ſchließen wollte, würde ſehr irren. Zwar beſuchte er Kreuzers Vorleſungen und das philolog. Seminar, hörte Schloſſers geſchichtliche Vorleſungen, ſowie ſpäter Daubs Vorträge über Hegel'ſche Philoſophie und manches Andere, arbeitete auch zeitweiſe für ſeine Philologie mit wahrem⸗Enthuſiasmus, aber daneben räumte er den Freuden der Jugend und dem Umgang ſeiner Freunde ihr volles Recht ein. Nach dem Zeugniß des oben genannten Jugendfreundes, dem anderthalbjährigen Studiengenoſſen, wenn auch nicht Fachgenoſſen Hermanns in Heidelberg, der fortwährend in den intimſten Beziehungen zu ihm ſtand, war ihr gemeinſames akademiſches Leben außer der eigent⸗ lichen Studienzeit der heiterſten Art. An den Abenden fanden ſich beide meiſt mit einem engern Kreiſe vertrauter Commilitonen, darunter von Löb, Guyet, Richter u. A., auf einem der Heidelberg benachbarten Orte zuſammen. Außerdem ſtanden ſie aber auch mit einem weitern Kreiſe, worunter einige Rheinbayern, mehrere Altbayern, auch ein Sohn von Jean Paul, in Beziehung, ja ſie beſuchten ſelbſt in jedem Semeſter einmal den Commers einer Verbindung, zu der ſie nicht als Mitglie⸗ der, ſondern nur als Renonge gehörten. Herbſt 1822 trennten ſich Häberlin und Hermann, jener, um in Göttingen, Hermann, um in Leipzig ſeine Studien fortzuſetzen. Dorthin zog es ihn nämlich trotz aller Anhänglichkeit an Heidelberg, um auch die grammatiſche und kri⸗ tiſche Seite der Philologie noch weiter auszubilden. Und ſo gab er ſich denn in Leipzig, hauptſächlich gefördert durch Gottfried Hermanns griechiſche und Spohns philolog. kritiſche Geſellſchaft, mit allem Eifer dieſer Richtung hin. Theils als Verfaſſer eigener Abhandlungen, theils als Opponent, in welcher Rolle G. Hermann. ſogar mitunter ſeinen Eifer zu zügeln veranlaßt war, machte er ſich in beiden Geſellſchaften be⸗ merklich. Durch Behandlung einer Stelle des Plato, mit dem er ſchon in Weilburg bekannt, namentlich aber durch Kreuzer in Heidelberg ver⸗ traut geworden war, disputirte er ſich in die griechiſche Geſellſchaft. Doch ließ er ſich durch dieſe Beſchäftigungen weder den offenen Sinn für andere Seiten des philolog. Fachs, noch den für das Treiben ſeiner akademiſchen Commilitonen verſchließen. Ja die Theilnahme an letzterem, insbeſondere ſeine Beziehungen zu einer der damals in Leipzig be⸗ ſtehenden Verbindungen, gaben ſogar Veranlaſſung, daß er Ende 1823 dieſe Stadt verließ, um in ſeiner Heimath ſeine Studien zu beendigen.