Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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durch die intimen Beziehungen, in denen Hermann der Vater zu dem damaligen Prorector des Weilburger Gymnaſiums, Nic. Gottfr. Eich⸗ hoff, einem anerkannt tüchtigen Gelehrten und Schulmann, ſtand. Im Jahr 1815 ward Karl Friedrich in das Haus des Letztern und zugleich als Schüler in das Weilburger Gymnaſium aufgenommen und ver⸗ blieb daſelbſt bis zu ſeinem Abgang nach der Univerſität Heidelberg. Selbſt auf die Wahl dieſer Hochſchule übte der Weilburger Aufenthalt Einfluß, indem die Söhne Eichhoffs, die damals in Heidelberg ſtudir⸗ ten, durch die begeiſterte Schilderung ihrer dortigen Lehrer, wie nament⸗ lich Kreuzers, auch bei Hermann den Wunſch zum Beſuch dieſer Uni⸗ verſität erweckten. Im Frühjahr 1820 verließ derſelbe Weilburg, um als Studioſus der altelaſſiſchen Philologie die Ruperto-Carol'na zu be⸗ ziehen. Aber welche Veränderung war mit ihm in den 4 ½ Jahren ſeines Weilburger Aufenthaltes vorgegangen! Wohl hatte er auch dort für die Schule und privatim ſo emſig gearbeitet, daß er trotz dem Edikt von 1817, welches einem raſchen Durchlaufen der Klaſſen entgegentrat, ſchon mit 15 ½ Jahren abſolviren konnte, aber deßhalb ſeine körperliche Entwicklung keineswegs verſäumt. Aus dem, wenn nicht ſchwächlichen, doch oft krankhaft reizbaren Knaben war ein kräftiger Jüngling gewor⸗ den, der, mit einem ſoliden Fond von Schulkenntniſſen ausgeſtattet, zuverſichtlich und doch mit einer gewiſſen Beſonnenheit ins Leben heraus⸗ trat. Ein lebendiges Zeugniß der ſchon damals erlangten Selbſtſtän⸗ digkeit bietet der erſte ſchriftſtelleriſche Verſuch Hermanns, der, weil anonym erſchienen, nur Wenigen bekannt ſein dürfte. Es iſt dies eine Umarbeitung der Haus'ſchen Ueberſetzung des Eutrop mit erläuternden Anmerkungen, die, in der Hermann'ſchen Verlagshandlung erſchienen, und nur auf deren Wunſch unternommen, vielleicht ſchon in Karl Fried⸗ richs letztem Gymnaſialſemeſter begonnen und jedenfalls in ſeinem erſten Univerſitätsſemeſter laut der Unterſchrift der Vorredeam 28. Oktober 1820 C. H. zum Abſchluß gebracht wurde. Will ich auch den Werth der Arbeit nicht überſchätzen, zumal mir eine Vergleichung der ver⸗ griffenen Haus'ſchen Ueberſetzung mit dem durch die Liberalität des Hrn. Suchsland erhaltenen Exemplar der Hermann'ſchen Bearbeitung nicht möglich iſt, ſo zeigt doch der in der Vorrede entwickelte Plan der Ar⸗ beit bei aller Beſcheidenheit der Sprache eine ſolche Klarheit, Beſonnen⸗ heit und Selbſtſtändigkeit, zeigen ferner die von ihm zugefügten An⸗ merkungen eine ſolche Sachkenntniß und Beherrſchung der einſchläglichen Literatur, daß man kaum einen 16jährigen Jüngling in dem anonymen