Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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Guͤte des Hrn Senidr König, als Hermanns Jugendlehrer, der Hrn. L. Fr. Finger und Hrn. Oberlehrer Auguſt Finger, als Schwäger des Verſtorbenen, endlich des Hrn. Dr. Häberlin, als ſeines Jugendfreun⸗ des, gerade über Hermanns frühere Lebensperiode ſo reiche, theils mündliche, theils ſchriftliche Mittheilungen erhalten, daß ich nicht bloß manche Unrichtigkeiten in den bisher im Druck erſchienenen Lebens⸗ ſkizzen Hermanns vermeiden⸗konnte, ſondern mich ſogar in der Aus⸗ wahl für meinen gegenwärtigen Zweck aufs Aeußerſte beſchränken muß. Daß Hermanus Erziehung gleich von Anfang eine faſt ängſtliche Sorg⸗ falt gewidmet wurde, war unter den oben angegebenen Verhältniſſen und bei dem pflichtgetreuen, liebevollen Charakter der Eltern, insbe⸗ ſondere der Mutter, nur zu natürlich. Da er nach einjährigem Elemen⸗ tarunterricht 1810, alſo 6 Jahre alt, Hrn. König zum Unterricht zugeführt wurde, konnte er nicht bloß geläufig leſen und eine ſaubere Schrift zu Wege bringen, ſondern hatte auch den Katechismus bereits zum größten Theil inne, worin ihn die ſorgſame Mutter ſelbſt unter⸗ richtet hatte. Von ſeinem neuen Lehrer ward er außer den nöthigen Realien, wie Geſchichte, Geographie, Naturkunde u. ſ. w., namentlich auch zur Kenntniß der alten Sprachen angeleitet und machte zunächſt im Latein, dann in dem ſpäter begonnenen Griechiſchen ſo reißende Fortſchritte, daß er im dritten Jahr dieſes Privatunterrichts, in ſeinem 9. Lebensjahr, im Stande war, z. B. die Odyſſee von Homer ohne all⸗ zugroße Schwierigkeit zu leſen. Ungeachtet dieſes erfreulichen Erfolges rieth der einſichtsvolle Lehrer den Eltern dringend, namentlich der Charakterbildung wegen, ihren Sohn in eine öffentliche Schule zu brin⸗ gen und ſo ward er denn in die viertoberſte Klaſſe des hieſigen Gym⸗ naſiums, die von Herbſt 18121814 durch Umkehrung der Zahlen⸗ folge Tertia hieß, aufgenommen, wenn er gleich ſeinen Kenntniſſen nach ſchon damals die meiſten Schüler ſeiner Klaſſe übertraf. Bei dem Ab⸗ lauf des Klaſſencurſus rückte er in eine höhere Klaſſe auf und that es auch dort allen Andern an Fleiß und Kenntniſſen voran; dennoch ſtell⸗ ten ſich ſeinem fernern Beſuch der Anſtalt mancherlei Schwierigkeiten in den Weg, die namentlich in dem grellen Abſtand ſeines Alters von dem ſeiner Mitſchüler begründet waren. Die Eltern nahmen ihn deß⸗ halb wieder aus dem Gymnaſium und baten ſeinen früheren Lehrer, ihren Sohn abermals privatim zu unterrichten, bis ſich auswärts eine den Bedürfniſſen des Knaben ganz entſprechende Unterkunft gefunden habe. Hiezu bot ſich denn auch kurz darauf die gewünſchte Gelegenheit