Aufsatz 
Pretiöse Charaktere und Wendungen in Corneilles Tragödien / von A. Rudershausen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32²

Denken, als höchstens da, um als Ränkemittel der List zu dienen, die um so sicherer zur Aus- führung der plutgierigsten Rachepläne führen. Rodogune indes will mit dieser niedrigen Handlungs- weise der Königin nichts gemein haben, wie sie in der Begegnung mit Laonice erklärt:

Nicht will ich Rache nehmen für die Leiden,

Die solches Hasses Wut mir angethan ¹). Dieselben Gesinnungen offenbart sie denn auch Orontes gegenüber, der ihr rät, sich der Hilfe der Söhne gegen die Mutter zu bedienen:

Wie? Zu so feigen Räubern könnte sich

Mein edles Herz erniedrigen, von meinen

Anbetern einen Dienst mir zu erbetteln?

Und durch den Reiz erzwungener Liebesblicke

Sollt' ich mein Heil in ihren Herzen suchen?

Derart'ge Ränke hab' ich stets verabscheut,

Ihr hoher Sinn hasst diese weibschen Listen ²). Daher ruft sie auch die Schatten des ermordeten Königs an, sie um Vergebung bittend, dass sie seinen letzten Willen:Vengeance! Adieu, je meurs pour vous! zu vollstrecken unterliess;

Vergib der Pflicht, zu der mein Rang mich zwingt.

Je näher nach Geburt dem Thron wir stehn,

Um desto leichter unterliegen wir.

Uns ist kein Herz zu hässen und zu lieben,

Gehorchen müssen alle Leidenschaften ³). Erst wie sie sieht, dass die Tücke der Königin selbt gegen die königlichen Prinzen ihre Mordpläne schmiede und ihr Schwert in ihren Busen tauchen wolle, da fasst sie den männlichen Entschluss, den ihr die Pflicht der Selbsterhaltung eingibt:

In allen Ehren will von meiner Knechtschaft

Ich mich befreien). In dem nun folgenden Conflict, der der Prinzessin dadurch erwachst, dass sie den Thron und damit ihr Herz einem der beiden königlichen Prinzen zuweisen mõge, bewahrt sie die weiseste Masshaltung: Ich werde lieben, wenn die Pflicht es fordert.

Der Königin ziemt die Wahl, die ihr mir bietet; An ihren Rechten würd' ich mich vergreifen, Wenn ich die Wahl anmasste mir).

1) I, 5, v. 19 sqd. Non qu'enfin je ne donne au bien des deux Etats Ce que j'ai de haine à de tels attentats: J'oublie et pleinement toute mon aventure; 2) III, 3, v. 1 sqq. Quoi! je pourrais descendre à ce lache artifice, D'aller de mes amants mendier le service Et, sous l'indigne appât d'un coup d'oeil affété, J'irais jusqu'en leur coeur chercher ma suüreté, Celles de ma naissance ont horreur des bassesses; Leur sang tout généreux hait ces molles adresses. 3) III, 3, v. 25 sqq. Mais pardonne au devoir que m'impose mon rang: Plus la haute naissance approche des couronnes, Plus cette grandeur même asservit nos personnes; Nous n'avons point de coeur pour aimer ni hafr; Toutes nos passions ne savent qu'obéir. 4) III, 3, v. 39. Je brise avec honneur, mon illustre esclavage. 5) III, 4, v. 42. Et mon amour pour naftre attendra mon devoir. v. 44 sd. Le choix que vous m'offrez appartient à la reine; Pentreprendrais sur elle à l'accepter de vous.