29
Noch mehr! Ich schwörs bei dieser heil'gen Asche,
Dass meiner Rache Flamme nie erlischt!
Nie, nie soll man, o Rom,————
Mich wiedersehen in deinen öden Mauern,
Bis ich des Gatten Manen erst versöhnt
Durch Ptolomäus und durch Cäsars Tod ¹). Denselben Gefühlen gibt sie in der Begegnung mit Kleopatra(V. 2) Ausdruck. Denn nicht glaubt Cornelia, wie sie dem Freigélassenen Philippus erklärt, Cäsar für seine Dienste zu Dank verpflichtet zu sein, denn dieser verfolge nur egoistische Pläne, wenn er des Pompejus Mörder räche. Indes ein edles fühlendes Herz, wie Cornelia, darf nicht einmal über den Feind ein hartes Urteil fällen:
Wer edel denkt, ruft sie aus, traut andern Edles zu, Drum glaub ich gern, er handelt nur für mich, Wie ich in gleichem Fall für ihn gehandelt ²).
Daher versagt sie ihm trotz ihres unsterblichen Hasses keineswegs die gebührende Achtung:
Die Stärke deiner Tugend heischet Achtung, Die Stärke meiner Pflicht heischt Hass von mir ¹³).
b) Cléopatre. Der zweite pretiöse Character in unserem Drama wird uns von dem Dichter in der Person der ägyptischen Königin Kleopatra gezeichnet, die durch die Niederlage des Pom- pejns bei Pharsalus in einen zwiefachen heftigen Conflict gedrängt wird. Fürs erste erblickt sie eine Befleckung ihrer Ehre in der Preisgabe des flüchtigen Pompejus, während ihre Liebe zu dem siegreichen Cäsar doch die Ratschläge derer, die Pompejus Tod beschlossen, gutheissen dürfte; fürs zweite gerät nach der Ermordung des Pompejus ihre Ehre in einen neuen Conflict mit der Liebe: Die Ehre heischt die Bestrafung der Mörder, ihre Liebe verlangt die Erhaltung des Bruders. Gerade in dem ersten Conflict sucht Cleopatra in der Begegnung mit ihrem königlichen Bruder und dessen Räten den Character der Würde und des Ansehens einer Königin zu bewahren. Denn mit Geringschätzung redet sie von jenen„aus Schmutz geformten Seelen“ und jener„Pest des Hofs“(II, 2, v. 140). Wie Photin die Königin, die ihrem Gemahle Vorwürfe darüber macht, dass
1) V, 1, v. 8 sqd. Reste du grand Pompée, écoutez sa moitié. N'attendez point de moi de regrets ni de larmes, Un grand coeur à ses maux applique d'autres charmes. v. 13 sq. Moi, je jure des dieux la puissance suprème, Et pour dire encor plus, je jure par vous-même. v. 20 sqq. De n'éteindre jamais l'ardeur de le venger. Ptolomée à César, par un lache artifice, Rome, de ton Pompée a fait un sacrifice; Je n'entrerai point dans tes murs désolés;
2) V, 1, v. 101 sqd. Si, comme par soi-même un grand coeur juge un autre, Je n'aimais mieux juger sa vertu par la nôtre, Et croire que nous seuls armons ce combattant, Parce qu'au point qu'il est j'en voudrais faire autant.
3) V, 4, v. 61 sdd. Je t'avouerai pourtant, comme vraiment Romaine, Que pour toi mon estime est égale à ma haine; Que l'une et l'autre est juste, et montre le pouvoir, L'une de la vertu, l'autre de mon devoir.


