Aufsatz 
Pretiöse Charaktere und Wendungen in Corneilles Tragödien / von A. Rudershausen
Entstehung
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Es wird, obwohl ich wahr und ehrlich bin,

Doch eine Regung nicht ersticken können,

Die mir und dir nur Schande machen würde.

Ich kann ihn niemals wiederseh'n, mein Vater ¹)! Wie diese Stelle für den pretiösen Character Paulinens sehr bezeichnend ist, indem sie ängstlich bemüht ist, den Character der Würde zur Schau zu tragen, so auch die nachfolgenden Zeilen, die, vom Selbstbewusstsein eingegeben, die vorgegebene Schwäche in den Hintergrund drängen; denn sie lässt den Einwand ihres Vaters, der in der Begegnung mit Sever keine Bedenken bei der Tugendhaftigkeit seiner Tochter erblickt, gern gelten, indem sie ausruft:

Ja gewiss,

Sie wird den Sieg erringen; ich verzweifle

Am Ausgang nicht ²⁹)!

Als dann des Vaters Wunsch Paulina mit Sever zusammenführt, da lässt sie ihn, um auch den Schatten eines Missverständnisses zu verhüten, keinen Augenblick im Zweifel über ihre wahre Gesinnung: Ja ich liebe ihn, Sever,

Ich will mich nicht entschuldigen. Es mag

Dich eine andere schmeichelnd hintergehen;

Paulina ist von Edelmut beseelt,

Sie redet nur, was aus dem Herzen kommt ³). Und von dieser Pflicht der Liebe zu ihrem Gemahle weicht sie selbst dann nicht ab, wie sie von dessen tempelschänderischem Treiben Kunde erhält:

Ich würd' ihn lieben, hätt' er mich verraten, entgegnet sie ihrer Vertrauten,

Und wenn dich so viel Liebe überrascht,

1) I, 4, v. 75 sdd. Mon poère, je suis femme, et je sais ma faiblesse; Je sens déjà mon coeur qui pour lui s'intéresse Et poussera sans doute, en dépit de ma foi. Quelque soupir indigne et de vous et de moi. Je ne le verrai point. 3 2) I, 4, v. 87 sq. Elle vaincra sans doute; Ce n'est pas le succès que mon àâme redoute. 3) II, 2, v. 1 sqd. Oui je l'aime, Sévère, et n'en fais point d'excuse Que tout autre que moi vous flatte et vous abuse, Pauline a l'àme noble et parle à coeur ouvert. Periphrastische Wendungen pretiöser Art: II, 2, v. 79 sdd. Conservez m'en la gloire, et cessez de me voir. Epargnez-moi des pleurs, qui coulent à ma honte; Epargnez-moi des feux, qu'à regret je surmonte; Enfin épargnez-moi ces tristes entretiens, Qui ne font qu'irriter vos tourments et les miens. Desgl. in II, 3, v. 5 sqd., woselbst zugleich eine Steigerung der Begriffe, die auf die Schonung der Gefühle des Unterredners berechnet ist: Laisse-moi respirer du moins Souffre un peu de relàche à mes esprits troublés, Et ne m'accable point par des maux redoublés. II, 5, v. 20. La vertu la plus ferme évite les hasards eine pretiöse Ausdrucksweise(cfr. Horace I, 1, v. 4 L'ébranlement sied bien aux plus fermes courages) die festeste Tugend meidet die Versuchung; demnach vergibt sich auch Paulina nichts, indem sie die Gefahr vermeidet. In II, 4, v. 26 eine pretiöse umschreibende Wendung: On souffre à resister, on souffre à s'en defendre. Desgl. in II, 5, v. 7 sq. Pensez à son pouvoir Et ressouvenez-vous que sa valeur est grande.