Aufsatz 
Pretiöse Charaktere und Wendungen in Corneilles Tragödien / von A. Rudershausen
Entstehung
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Wanken gerät, darf uns jetzt nicht mehr befremden. Mit Freimut bekennt sie Cinnas und ihre Schuld, weder für jenen, noch für sich des Cäsars Gnade anflehend:

Ich hoffe nicht das Leben ihm zu retten.

Sein Tod ist des Complots gerechte Strafe. Entschuldigung gibt es nicht für Staatsverbrecher, Der Tod mit ihm führt mich zu meinem Vater. Das führt mich her zu dir und das nur hoff' ich ¹).

Gleich einem Scävola, der dem Etruskerfürsten furchtlos entgegentritt und ihm eröffnet, dass eine grosse Schar Gleichgesinnter dasselbe Ziel wie er verfechte, bietet sich Emilia Augustus mit unerschrockener Stirn als Opfer an:

Nimm, dich zu sichern, mir mein traurig Leben. Verführt' ich ihn, verführ' ich andere auch, Und ich bin mehr zu fürchten, dich bedroht Noch mehr Gefahr, wenn ich zugleich die Liebe Mit meines Vaters Blut zu rächen habe ²).

Eine solche mutige Seele durfte daher auch Cinna nicht frei von Schuld sprechen; sie erblickt darin eine Befleckung ihres Ruhmes:

Nun wohl! Nimm deinen Teil, lass mir den meinen; Das Angedenken unsrer Väter hat Uns über unsre gleiche Pflicht belehrt, Und unsre Herzen haben sich geeint Im edlen Plan, den unser Geist entwarf. Wir suchen beide einen schönen Tod, Du wolltest uns vereinen, trenn' uns nicht ³).

Welche Stellung darf nun unsere gegen die heftigsten Stürme gefeite Heldin in dem Schluss- act des Dramas einnehmen, in dem Augustus durch sein:Soyons amis, Cinna! den herrlichsten Sieg über alle seine Gegner davonträgt? Darf sie fortfahren, trotzigen Sinnes den Weg der Rache

1) V, 2. v. 20 sdd. Et je vous viens, Seigneur, offrir une victime, Non pour sauver sa vie en me chargeant du crime: Son trépas est trop juste après son attentat, Et toute excuse est vaine en un crime d'Etat: Mourir en sa prèsence, et rejoindre mon père, C'est tout ce qui m'amène et tout ce que j'espère.

2) V, 2, v. 60 sdd. Tranchez mes tristes jours pour assurer les vôtres. J'ai séduit Cinna, j'en séduirai bien d'autres; Et je suis plus à craindre, et vous plus en danger, Si j'ai l'amour ensemble et le sang à venger.

Pretiösen Anklängen begegnen wir noch: V, 2, v. 58 sq. Punissez donc, Seigneur, cées criminels appas Qui de vos favoris font d'illustres ingrats. V, 2, v. 88. Nos deux àmes, Seigneur, sont deux ämes Romaines; 3) V, 2, v. 84. Eh bien, prends-en ta part, et me laisse la miénne; V, 2, v. 90 sqq. De nos parents perdus le vif ressentiment

Nous apprit nos devoirs en un même moment; En ce noble dessein nos coeurs se rencontrèrent; Nos esprits généreux ensemble le formèrent; Ensemble nous cherchons l'honneur d'un beau trépas: Vous vouliez nous unir, ne nous séparez pas.