21 Jetzt aber will Emilia mit Cinna keine Gemeinschaft mehr haben; sein Verhalten erscheint ihr als Sklavendienst und Feigheit und sie kann leicht, um den Vater und das Vaterland zu rächen, seiner Hilfe entraten. Zu feig bist du, mich zu erringen, ruft sie ihm zu, Allein in meine Tugend eingehüllt, Will ich in sein' und meinem Blut mich baden ¹). Diesen Heroismus bewahrt Emilia auch in der Begegnung(IV, 4) mit Fulvia, die ihr allerlei Gerüchte, aus denen man das Misslingen des Rachewerkes schliessen kann, übermittelt. Sie dankt den Göttern für den ihr innewohnenden Mut und ist entschlossen, ebenso beherzt in den Tod zu gehen, wie sie ihr grosses Werk begonnen habe. Sollte ihr das Letztere auch nicht gelingen, so werde doch ihr Ruhm nicht geschmälert; sie sterbe vielmehr einen der Götter würdigen Tod, die leicht an ihr das Blut der grossen Helden erkennen würden, aus dem sie hervorgegangen. (cfr. IV, 4, v. 44 sqq.) Es ist das Zeichen eines unerschrockenen Mannesmutes, beim Ausbruche des Sturmes der Gefahr mutig entgegenzutreten; diesen bewahrt nun Emilia mit unerschütter- licher Standhaftigkeit, wie sie den Befehl ihrer Verhaftung erfährt. Wie ihr Maximus zur Flucht rät, da entgegnet sie ihm mit stolzem Selbstbewusstsein: Sprich, kennst du mich, und weisst du, wer ich bin? Dem Cinna muss man in sein Unglück folgen, Du spielst den Rächer, ihn zu überleben: Wer, wenn er fiel, sich noch zu retten sucht, Verdient das Leben nicht, um das ihn bangt ²). Des Maximus Vorwurf, als ob sie aus Verzweiflung zu blinder Wut getrieben werde— eine Schwäche, die bei einer so starken Seele befremden würde— gibt sie stolz zurück:
..... Die Verzweiflung hat mich nicht geblendet, Die Tugend lebt in mir, doch wankt sie nimmer. Was dir die Pflicht gebeut, lern es von mir,
Gib selbst ein Beispiel oder folg' dem meinen ³).
Dass ein solcher Heroismus selbst vor dem Tribunal der kaiserlichen Majestät nicht mehr ins
1) III, 4, v. 134 sqd. Mes jours avec les siens se vont précipiter, Puisque ta lâcheté n'ose me meriter. Viens me voir, dans son sang et dans le mien baignée, De ma seule vertu mourir accompagnée. 2) IV, 5, v. 17. Me connais-tu, Maxime, et sais-tu qui je suis? IV, 5, v. 23 sqq. Cinna dans son malheur est de ceux qu'il faut suivre, Qu'il ne faut pas venger, de peur de leur survivre: Quiconque après sa perte aspire à se sauver Est indigne du jour qu'il täche à conserver. 3) IV, 5, v. 60 sq. Mon noble désespoir ne m'a point aveuglée; Ma vertu toute entière agit sans s'émouvoir. IV, 5, v. 49 sq. Apprends, apprends de moi quel en est le devoir, Et donne-m'en l'exemple, ou viens le recevoir. In IV, 5, v. 60 mon noble désespoir, wie in IV, 5, v. 54 dans les déplaisirs tu congçois de l'amour begegnen wir pretiösen Ausdrucksweisen, wodurch der Begriff des Seelenkummers Emiliens und der peinlichen Lage des Maximus abgeschwächt werden soll.


