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nicht zu kennen; ja sie droht sogar den als Bruder oder als Gemahl zu verleugnen, der die bevorstehende Katastrophe mit Bangen erwarte; sie selbst aber werde durch den Tod dem Schlage zuvorkommen, der sie als Schwester oder Gattin des Besiegten treffe. Und als einem solchen Unterfangen Curiaz und Horaz sich widersetzen, da bricht Sabina mit bitterer Ironie in die Worte aus: Sind das die Herzen, die Helden, die Alba und Rom als Verteidiger sich erkoren? ¹)
In noch hervorragenderem Masse tritt der pretiöse Character Sabinas im Anfang des III. Actes zu Tage. Soeben sind die Vorkämpfer für Rom und Alba auf den Kampfplatz geeilt, die Frauen werden von dem greisen Horatius zurückgehalten, die Entscheidung steht unmittelbar bevor. In dieser qualvollen Situation ermannt sich Sabina ²), jede Anwandlung von Schwäche machtvoll zurückweisend. Ihr Entschluss steht fest:
Nun, schwing' dich auf zu ihrem Hochgefühl.
Zugleich sei dieses Gattin, jener Schwester!
Halt ihre Ehre für dein höchstes Gut;
Streb' ihrem Mute nach und fürcht' nichts mehr!
Der Tod, der ihrer harrt, ist ja so schön,
Dass furchtlos ich die Kund' erwarten muss! ³) Indem auch in ihrer Seele des Vaterlandes Interesse das familiäre zu überwiegen scheint, erscheint sie uns für den Augenblick„toute Romaine“, doch auch nur für den Moment; bald müssen diese Empfindungen des Starkmutes der Römerin, die für die gemeinsame Sache alles opfert, denen der Schwäche weichen 4). Wankelmütig in ihren Gesinnungen ist daher Sabina nicht Römerin, sondern eine Gestalt des Hotel Rambouillet, eine Frau der Aristokratie, die lediglich den Schein der Idealität um sich zu verbreiten sucht.
Auch in der Begegnung mit Camilla(III, 3) offenbart sich der pretiöse Character Sabinas. Als Camilla an eine Abwehr des bevorstehenden Verhängnisses nicht glauben will, da missbilligt
1) Pretiöse Wendungen in dieser Scene noch in: II, 6, v. 19 sq. Brisez votre alliance et rompez-en la chaine, statt brisez la chaine de votre alliance.
II, 6, v. 33 sqq. Commencez par sa soeur à répandre son sang, Commencez par sa femme à lui percer le flanc, Commencez par Sabine à faire de vos vies Un digne sacrifice à vos chères patries.
II, 6, v. 43 sqq. Pourrai-je entre vous deux régler alors mon àme, Satisfaire aux devoirs et de soeur et de femme, Embrasser le vainqueur en pleurant le vaincu?
2) III, 3, v. 1. Prenons parti, mon àme, en de telles disgräces; Pretiöser Natur ist in dem Monolog Sabinens die Anrede mon àâme und en de telles disgräces; cfr. I, 1, vv. 11, 133; I, 2, v. 45, III, 4, v. 1: auch hierdurch soll der Begriff der Herzensqual gemildert werden. cfr. III, 3, 10, Disons plutôt, ma soeur.
3) III, 1, v. 9 sqd. Sur leurs hauts sentiments réglons plutôt les nôtres; Soyons femme de l'un ensemble et soeur des autres; Regardons leur honneur comme un souverain bien: Imitons leur constance, et ne craignons plus rien, La mort qui les menace est une mort si belle, Qu'il en faut sans frayeur attendre la nouvelle.
4) III, 1, v. 42 sq. Je songe par quels bras et non pour quelle cause, La maison des vaincus touche seule mon àme!


