Aufsatz 
Pretiöse Charaktere und Wendungen in Corneilles Tragödien / von A. Rudershausen
Entstehung
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c) es ablehnt, für Roms Glück zum Himmel zu flehen ¹), angesichts der beiden Heere, der Brüder in dem einen, des Gatten in dem anderen.

Auf den Vorwurf einer vaterlandsfeindlichen Gesinnung zurückkommend, verwahrt sie sich ent- schieden dagegen, als hege sie der Siegeslaufbahn der einstigen Weltbeherrscherin widerstreitende Absichten; es sei vielmehr Roms heilige Pflicht, Alba nicht auch das Joch des Bedrückers fühlen zu lassen, da Romulus und somit Rom Alba als Mutterstadt den Ursprung verdanke, dessen Freude zugleich in dem Glücke seiner Kinder hell strahlen werde. Als nun gar Julia ihrer Ueberraschung über die veränderte politische Gesinnung Sabinas Ausdruck verleiht, da ist sie ängstlich bemüht, ihre Haltung in dem Streite zwischen Rom und Alba zu rechtfertigen. Wohl habe sie früher den eitlen Wunsch gehegt, ganz Römerin(toute Romaine) zu sein, als der Kampf noch nicht so tobte, dass das Verderben der einen Partei zu befürchten gewesen sei; jetzt aber, da der Kampf eine solche Wendung genommen habe, dass das Verderben des einen Teils zu befürchten sei²), müsse sie Teil am Unglück, nicht am Ruhm nehmen, Thränen

dem Besiegten, Hass dem Sieger weihen ³). In besonders auffallender Weise tritt auch der pretiöse Character Sabinas in dem II. Acte zu Tage, wo nach dem bewegten Gespräche des Vorkämpfers für Alba mit Horatius(II, 1, 2, 3, 4) und seiner Geliebten(II, 5) Sabinas Ankunft in ersterem bange Besorgnis aufsteigen lässt. Stolze Würde zur Schau tragend) entgegnet hierauf Sabina, solche Anwandlungen von Schwäche

1) I, 1, v. 37 sq. Puis-je former des voeux, et sans impiété Importuner le ciel pour ta félicité. Pretiöser Ausdruck ist importuner= fatiguer par les demandes qu'on adresse au ciel statt demander instamment den Himmel für dein Glück inständig bitten: in Sabinas Augen ist dies eine Belästigung der Gottheit, denn dieselbe muss es als eineimpiété ansehen, auf Kosten der Mutterstadt für Roms Gedeihen Gebete zum Himmel emporzusenden. 2) Wir begegnen hier einer pretiösen Umschreibung; I, 1, v. 79 sd. Mais aujourd'hui qu'il faut que l'une ou l'autre tombe, Qu'Albe devienne esclave, ou que Rome succombe; 3) Noch auffallender und häufiger sind diese Umschreibungen in: I, 1, v. 88 sdd. Je ne suis point pour Albe, et ne suis plus pour Rome; Je crains pour l'une et l'autre en ce dernier effort, Et serai du parti qu'affligera le sort. gale à tous les deux jusques à la victoire, Je prendrai part aux maux sans en prendre à la gloire; Et je garde, au milieu de tant d'àpres rigueurs, Mes larmes aux vaincus, et ma haine aux vainqueurs. I, 1, v. 132 sqq. J'ai honte de montrer tant de mélancolie, Et mon coeur accablé de mille déplaisirs, Cherche la solitude à cacher ses soupirs. cfr. v. I, 1, v. 11, 133, I, 2, v. 45, III, 4, v. 1, les déplaisirs d'une àme; in Parallele hierzu der Ausdruck mélancolie= Trübsinn, Schwermut, der gleich jenem den Begriff der inneren Herzensqual mildern soll. 4) II, 6, v. 5 sqd. Non, non, mon père, non; je ne viens en ce lieu Que pour vous embrasser et pour vous dire adieu. Votre sang est trop bon, n'en craignez rien de läche, Rien dont la fermeté de ces grands coeurs se fäche: Si ce malheur illustre ébranlait l'un de vous, Je le désavouerais pour frère ou pour époux. Wir haben hier wieder eine significante Stelle pretiösen Stils: Man beachte die Wiederholung der Begriffe in v. 6, die Ausdrucksweise der Etiquette in vv. 7, 8, 9; ferner in v. 9: Ce malheur illustre, wodurch der Begriff des verhängnissvollen Schicksals, das dem Bruder oder Gatten bevorsteht, gemildert und abgeschwächt werden soll.