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In hervorragender Weise lässt die Prinzessin den Adel ihrer Gesinnung in IV, 2 und V, 4 zu Tage treten. Als nämlich Chimene die Kunde von neuen Heldenthaten Rodrigos vernimmt, da wird der halberloschene Groll gegen den, der ihr den Vater erschlagen, in ihrer Brust aufs neue wachgerufen. Nicht neue Siegesbotschaften wünschte sie zu vernehmen, sondern seinen Tod. Dagegen aber sträubt sich der Prinzessin edleres Gefühl:
Ja, edel ist es, ein so teures Haupt Angreifen, um des Vaters Tod zu rächen; Doch noch erhabener, heilige Pflichten für Das allgemeine Beste aufzugeben ¹).
In V, 3 vollends dürfte der Prinzessin Character im schönsten Lichte erscheinen: Nicht mehr den Edelmann Rodrigo lieb' ich;
Ich lieb' in ihm den Schöpfer grosser Thaten,
Den tapfern Cid, Herrn zweier Könige.
Doch will ich mich besiegen; nicht aus Furcht
Vor Tadel, aber weil die schöne Liebe
Ich nicht will trüben; ja krönt man sie selbst, Nähm' ich ein Gut, das ich verschenkt, nicht wieder. Und weil sein Sieg in diesem Kampf gewiss,
Werd' ich poch einmal ihn Chimenen schenken ²).
Wir erblicken gerade hier in der Infantin eine Frauengestalt des 17. Jahrhunderts, die unablässig darauf bedacht ist, den Schein der Idealität um sich zu verbreiten: Sich selbst besiegen, uneigennützig gegen sich, um das Glück der anderen nicht zu trüben: darin besteht der Ruhm, der einer Prinzessin ganz besonders wohl ansteht ³).
Horace.
a) Sabine. Unter den Hilfsfiguren, deren sich Corneille häufig in seinen Dramen bedient, ist es in unserem Drama in erster Linie Sabina, des Horatius Gattin, deren pretiöser Character schon in der ersten Begegnung mit ihrer Vertrauten unverkennbar zu Tage tritt.
1) IV, 2, v. 55 sqq. C'est générosité quand pour venger un père Notre devoir attaque une téte si chère; Mais c'en est une encor d'un plus illustre rang Quand on donne au public les intéréts du sang. 2) V, 3, v. 36 sqd. Je n'aime plus Rodrigue, un simple gentilhomme!
Si j'aime, c'est l'auteur de tant de beaux exploits. C'est le valeureux Cid, le maitre de deux rois.
Je me vaincrai pourtant, non de peur d'aucun bläme, Mais pour ne troubler pas une si belle flamme;
Et quand pour m'obliger on l'aurait couronné,
Je ne veux point reprendre un bien que j'ai donné. Puisqu'en un tel combat sa victoire est certaine, Allons encore un coup le donner à Chimène.
3) V, 3, v. 41 sd. Je me vaincrai pourtant, non de peur d'aucun bläme Mais pour ne troubler pas une si belle flamme.


