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erwidert diese, dass sie, trotz des Kummers, der auf ihrer Seele lastet, sich bemühn wolle, den Ausdruck des Kummers im Gesicht zu verwischen ¹). Indem sie allein zurückbleibt, ruft sie:
0 Himmel! Du, von dem
Ich Heilung hoffe, setze meinen Qualen
Ein Ziel! Wahr' meine Ruh', wahr' meine Ehre!
In and'rer Glück erblüh' fortan mein Glück ²). Die Infantin, die eben noch selbst in ihrem Seelenschmerze niedergebeugt den Himmel auflehte, ihren Qualen ein Ziel zu setzen, richtet jetzt andere in ihrem Leide auf:„Zeige dich standhaft,“ so ermuntert sie Chimene,„du wirst nach diesem schwachen Sturme die Ruhe wiedersehen ³).“ Als Chimene befürchtet, im Hafen unterzugehen, da will die Infantin, um die Quelle ihres Kummers versiegen zu lassen, selbst Unmögliches versuchen. Als indes Chimene darauf hinweist, dass Rodrigo den dem Vater zugefügten Schimpf nicht könne ungerächt lassen, du ruft Donna Urraca aus:„Hochsinnig ist Chimene und obgleich ihr Lebensglück auf dem Spiele steht, lässt sie gleichwohl niedrige Gedanken nicht zu ⁴).“ Durch Don Diegos Schimpf ist gewaltiges Leid über Chimene hereingebrochen. Die Infantin beklagt der Letzteren Missgeschick, kann indes der geheimen Freude nicht wehren, denn ihr Herzenswunsch soll sich ja jetzt erfüllen. Als Leonore sie daran erinnert, dass dieser Schritt sie erniedrige, und dass es ihr an dem ehrenvollen Mut gebreche, der sie ehedem beseelte, indem die Stimme der Vernunft keine Herr- schaft mehr über ihres Herzens Neigungen übe, da wogt es in der Brust der Königstochter, und sie sieht im Geiste den Geliebten auf dem Throne Granadas, wie ihm zitternd die unter- jochten Mauren huldigen; ihm, der sich Königreiche unterwirft, soll sie ihre Liebe nicht schenken dürfen?
1) I, 2, v. 81 sq. Non je veux seulement, malgré mon déplaisir Remettre mon visage un peu plus à loisir;
Auch hier dürfte eine pretiöse Ausdrucksweise sowohl in déplaisir, das eine Abschwächung des Begriffes des Seelenleids bezeichnet, zu erkennen sein, wie in: un peu plus à loisir, wodurch die Erklärung des seitherigen würdevollen Benehmens aufrecht erhalten bleiben soll.
2) I, 2, v. 83 sqd. Juste ciel, d'où j'attends mon remède,
Assure mon repos, assure mon honneur. Dans le bonheur d'autrui je cherche mon bonheur.
NB. Diese kurze Characteristik allein würde schon genügen, den Nachweis zu erbringen, wie ängstlich bemüht die Infantin ist, sich mit Idealbildern ihres Standes zu vergleichen. Sie bewahrt diesen pretiösen Character insbesondere auch in ihrem Verhältnis zu Chimene.
3) II, 3, v. 1 sdqd. Apaise, ma Chimene, apaise ta douleur,
Fais agir ta constance en ce coup de malheur. Tu reverras le calme après ce faible orage; Ton bonheur n'est couvert que d'un peu de nuage, Et tu n'as rien perdu pour le voir différer. Also Frauen nach der Infantin Ideal besitzen Mut genug, um solchen im Verhältnis zu der ihr innewohnenden Seelenstärke schwachen Stürmen erfolgreich zu begegnen. Auch an dieser Stelle lässt sich das pretiöse Element des Corneille'schen Stiles unzweideutig erkennen: es ist eben die Sprache der Etiquette durch wiederholte Auf- munterung den vom Schicksal Betroffenen aufzurichten, ihn zum standhaften Aushalten anzuspornen und ihm den unausbleiblichen Erfolg in Aussicht zu stellen: Beruhige dich, meine Chimene, sei standhaft, und du wirst glücklich werden! Man vergleiche hiermit die pretiösen Umschreibungen: II, 3, v. 31 sq. Le saint noeud——— dissipera la haine Par un heureux hymen étouffer ce discord. 4) II, 5, v. 8 sq. Cette haute vertu qui règne dans votre àme Se rend-elle sitéôt à cette läche flamme!


