Denselben Gefühlen gibt sie sowohl im Gespräche mit der Infantin wiederholt beherzt Ausdruck!¹), als auch vor dem König, dessen Gerechtigkeit sie anfleht. In ihrer ver- zweiflungsvollen Stimmung bietet sie sich sogar dem als Kampfpreis an, der als Sieger aus dem Zweikampfe hervorgehe ²). Als aber im entscheidungsvollen Augenblick Rodrigo bestimmt erklärt, dem die Brust zu bieten, der für ihre Ehre das Schwert ergreife, da hält sie ihm entgegen:
............ gedenk in der Verblendung
Es gilt gleichwie dein Leben,— deine Ehre!
Geh'! Lass ohne dass du sterben willst dich strafen Und schütz', willst du nicht leben, deine Ehre ³)!
Als sie im verzweiflungsvollen Seelenkampfe ihn anfleht, er möge sie doch vor der ihr verhassten Ver- bindung mit Sancho bewahren, entschlüpft ihr ein Wort, das Rodrigo mit neuer Lebensfreude beseelt. Sofort aber erkennt sie, ein wie unbedachtsames Wort sie gesprochen, das mit ihrer Ehre nicht im Einklang stehe:
Leb' wohl! Dies Wort, das mir entschlüpft, beschämt mich! ruft sie aus und entflieht.
Glaubst du, ich füg' mich, wenn er siegt? Zu mächtig Ist meine Pflicht und mein Verlust zu gross!
entgegnet sie daher Elvira,
Er kann Don Sancho mühlos überwinden, Doch nicht mit ihm zugleich Chimenens Ehré ⁴).
Nach dem vermeintlichen Untergang Rodrigos eilt sie dann zum König, ihm ihren letzten Wunsch
ebenso in IV, 2, v. 20 sqq: Mais pour moi sa louange est un nouveau supplice. On aigrit ma douleur en l'élevant si haut: Je vois ce que je perds quand je vois ce qu'il vaut Ah! cruels déplaisirs à l'esprit d'une amante! Plus j'apprends son mérite, et plus mon feu s'augmente.
1) IV, 2, v. 24 sqd. Plus j'apprends son mérite et plus mon feu s'augmente: Cependant mon devoir est toujours le plus fort Et malgré mon amour, va poursuivre sa mort cfr. IV, 2, v. 49.
2) IV, 5, v. 19 sq. Nommez ma pämoison l'effet de ma douleur: Un juste déplaisir à ce point m'a réduite.
Chimenens Rechtfertigung ihrer Ohnmacht wäre um so unnatürlicher und unverständlicher, wäre es nicht pretiöse Manier den Begriff des Schmerzes durch juste déplaisir abzuschwächen.
3) V, 1, v. 45. Ton honneur t'est plus cher que je ne te suis chère! v. 57 sq. Va, sans vouloir mourir, laisse-moi te poursuivre, Et défends ton honneur, si tu ne veux plus vivre.
4) V, 4, v. 33 sq. Quand il sera vainqueur, crois-tu que je me rende? Mon devoir est trop fort et ma perte trop grande. v. 37 sq. Il peut vaincre Don Sanche avec fort peu de peine,
Mais non pas avec lui la gloire de Chimène!


