In III, 4 lässt Corneille die Liebenden einander gegenübertreten. Rodrigo reicht ihr das mit dem Blute des Vaters getränkte Schwert, damit es wie den Schimpf des einen Vaters so auch den Tod des anderen sühne. Chimene kann indes Rodrigo nicht tadeln, der ja, indem er den Vater gerächt, nur seine Ehre gewahrt habe ¹). Doch damit habe er auch ihr den Weg der Pflicht gezeigt ²). Mit seiner scharfen Dialektik und seiner Freude an schroffen Gegensätzen, bemerkt Lotheisen(Geschichte der franz. Litt. im 17. Jahrh. t. II, p. 197) treffend, verschärft Corneille noch die Bitterkeit und Unnatur dieses Verhältnisses. Er steigert den Heroismus zu einem Punkt, dass er unwahr zu werden droht.
Da du so schwer mich schlugst,
Hast du bewiesen, dass du meiner wert,
Nun zeig ich mich dein wert durch deinen Tod ³). ruft Chimene aus; doch selbst das Schwert über den Nacken des Geliebten zücken darf Chimene, eine Aristokratin des 17. Jahrhunderts nicht; und wenn auch Rodrigo sie beschwörend in die Worte ausbricht(III, 3, 109 sqq.):
0 starrer Ehrgeiz! Hör' mich, in dem Namen
Des toten Vaters oder uns'rer Freundschaft!
Bestraf' aus Rache oder Mitleid mich! so will doch Chimene ihren Ruf bei der Mit- und Nachwelt nicht aufs Spiel setzen, nicht selbst zur Mörderin des Geliebten werden:
Ich will, dass selbst der schwarze Neid mich rühmt,
Und meinen Schmerz beklagt, erfahrend, dass
Ich dich vergöttre und dennoch verfolge ⁴). Wie nun Chimene die Kunde von neuen Siegesthaten Rodrigos vernimmt, da wird ihr Schmerz aufs neue wachgerufen und sie ruft aus:
Wahrt meine Ehre gegen meine Liebe Und mahnt, spricht sie zu laut, an meine Pflicht! Furchtlos greif ich ihn an, den stolzen Sieger ⁵)!
1) III, 4, v. 60 sqq. Je ne t'accuse point, je pleure mes malheurs. Je sais ce que l'honneur, après un tel outrage, Demandait à l'ardeur d'un généreux courage: Tu n'as fait le devoir que d'un homme de bien; 2) III, 4, v. 64. Mais aussi, le faisant, tu m'as appris le mien v. 75.— il me faut le perdre après l'avoir perdu; v 76. Cet effort sur ma flamme à mon honneur est dü; 3) III, 4, v. 83 sq. Tu t'es, en m'offensant, montré digne de moi; Je me dois, par ta mort, montrer digne de toi. 4) III, 4, v. 122 sqq. Et je veux que la voix de la plus noire envie Elève au ciel ma gloire et plaigne mes ennuis, Sachant que je t'adore et que je te poursuis! 5) IV, 1, 38 sqq. Contre ma passion soutenez bien ma gloire; Et lorsque mon amour prendra trop de pouvoir, Parlez à mon esprit de mon triste devoir, Attaquez sans rien craindre une main triomphante. Wir begegnen noch periphrastischen Wendungen pretiöser Natur: IV, 2, v. 5 sqd........ autre que moi n'a droit de soupirer. Le péril et le salut———————— A moi seule aujourdhui souffrent encore des larmes Et son bras valeureux n'est funeste qu'à moi.


