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geduldet, wie etwas wirklich Unſittliches, wachſen ſie auf in einer vom göttlichen Geiſte erfüllten Umgebung, ſo wird der Segen des Himmels auf den Eltern und auf den Kindern ruhen ¹).
Daß aber der Unterricht allein Sittlichkeit und Religioſität nicht zu be⸗ gründen vermag, erhellt ſchon daraus, daß beide nicht ſowohl das Wiſſen, als vielmehr das Sein und Weſen des Menſchen berühren, welches offenbar unter erziehender Einwirkung nur die richtige Geſtalt gewinnen kann. Die Zeit für die Bildung des ſittlich-⸗religiöſen Fundaments iſt aber die frühere Zeit der Kindheit in ihrer vollen Abhängigkeit, und in dieſen Jahren muß die Erziehung thun, was nur ſie und kein Unterricht thun kann, falls Sittlichkeit und Religioſität ſchon frühzeuig angelegt und entwickelt werden ſollen.„Die ſittlich-religiöſe Bildung „muß in der früheſten Jugend beginnen, wo der Menſch noch im Gefühle und „in der Notbwendigkeit der Abhängigkeit von der Auctorität der Eltern und Lehrer „ſich beglückt findet. Sie iſt nicht durch einen ſehr großen Aufwand von Zeit in „vielen ſpeciellen Lehrſtunden bedingt, nicht durch einen ausgedehnten Kreis von „Wiſſenſchaften, der ſich in gleichem Umfange in die ſpäteren Jahre hineinziehen „müßte und ſo der ſpeciellen Richtung in den ſpeciellen Kenntniſſen nachtheilig „werden könnte. Ein hierin qut gelegter Grund, in Verbindung mit einem Alles „durchdringenden und beherrſchenden Geiſt edler Sittlichkeit und Religioſität, läßt „den Menſchen ſein ganzes Leben und alle Begegniſſe deſſelben zur ſittlich-religiö⸗ „ſen Bildung heraufheben ²).“
Die Zeit der weiteren Fortbildung durch Unterricht tritt mit der ſich nach und nach immer mehr hervorbildenden Reife des Zöglings hervor. Und nun müſſen Erziehung und Unterricht vereint wirken, und ihr Beſtreben muß dahin gehen, daß jener an ſittlicher Charakterfeſtigkeit immer mehr und mehr zunehme, ſo daß er ſich, wenn er dem Alter nach der äußeren leitenden und ziehenden Auctorität entwachſen iſt, aus Ueberzeugung und Natur zum Rechten entſchließt ³).
Die Schule iſt darum im Irrthum, wenn ſie, das Weſen und das Ziel der Bildung überhaupt in der wiſſenſchaftlichen und gelehrten Bildung erkennend, die eigentliche Erziehung ausſchließen zu dürfen, und, in ſo fern ſie auch nöthig ſei, dem
1) Aber freilich muͤſſen die Eltern ſich die Zeit nehmen und die Luſt haben, ſich um ihre Kin⸗ der zu bekuͤmmern, deren Erziehung planmaͤßig zu leiten.„In dem Kreiſe ihrer Kinder,“ ſagt Niemeyer a. a. O. Thl. III. S. 12,„ſollten namentlich die Eltern ihre Erholung ſuchen. Die Muͤtter aber ſollten ohne Ausnahme dieſen Cirkel fuͤr ihre rechte Stelle halten.,„Auf dem Mutterſchooße, an der Mutterbruſt empfaͤngt das Kind den erſten Glauben, die erſte Religion.) Arndt's Entwurf der Unterweiſung und Erziehung eines Fuͤrſten. Beriln 1813.—
2) Braubach,„ pſycholog. Lehrplan fuͤr Real⸗ und Bürgerſchulen“ in Mager's paͤdagog. Revuͤe Bd. IV. 1843.
3) Die Schule kann freilich auch hier nicht viel mehr, als das Fundament legen; ſie will und hofft, daß der Zoͤgling weiter ſchreite; aber den Fortbau muß Jeder ſelbſt beſorgen.


