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der jugendliche Geiſt ſeine Gefühle und Gedanken auszudrücken beginnt, ſo muß mit der Mutterſprache auch der Unterricht in der Sprache anfangen, und durch denſelben ſoll nicht nur der Verſtand geſchärft ¹), der Geſchmack gebildet, ſondern auch der Sinn für Nationalität entwickelt werden. Ler ſagt ²):„Der deutſchen „Sprache muß gewiß, nach ihrem gegenwärtigen Standpunkte, auf unſern Gelehrten⸗ „Schulen derſelbe Rang, wie der lateiniſchen und griechiſchen, in dem Unterrichte „angewieſen werden, da ſie uns in formalbildender Hinſicht ebenſo große Vortheile, „als dieſe, gewährt und bei zweckmäßiger Methode der eigenthümlichen Entwicke⸗ „lung des deutſchen Volkes mehr, als dieſe, zuſagen muß. Jedenfalls wird durch „ihre größere Berückſichtigung auf unſern Schulen Vaterlandsliebe und nationales „Selbſtgefühl mehr, als durch fremde Sprachen, erregt und belebt werden.“
Daß man dieſes jetzt überall anerkannt hat, beweiſen die Beſtrebungen tüch⸗ tiger Schulmänner, nicht allein auf die hohe Wichtigkeit des Unterrichts in der deutſchen Sprache aufmerkſam zu machen, ſondern eine beſſere Lehrmethode deſſel⸗ ben einzuführen, damit er für die verſchiedenen Stufen der jugendlichen Entwicke⸗ lung möglichſt fruchtbringend werde.
Um jedoch das Langweilige des elementariſchen Unterrichts zu meiden, iſt derſelbe ſtets mit Sachkenntniſſen zu verbinden, durch ſorgfältige Wahl guter Beiſpiele, welche für das jugendliche Alter anziehenden Reiz haben, zu beleben. Von dem Satze, dem lebendigen Sprachorganismus, muß jeder grammatiſche Unterricht, be⸗ ſonders der in der Mutterſprache, ausgehen; aus dem Satze ſind die Redetheile und die ſyntaktiſchen Begriffe zu entwickeln. Iſt auf dieſe Art der Verſtand des Knaben für den Unterricht in der fremden Sprache vorbereitet, dann muß der Unterricht in der lateiniſchen Sprache angefangen werden;z und hat ſich der Knabe die Wortformen und die ſyntaktiſchen Grundverhältniſſe dieſer ſo feſten und in ſich abgeſchloſſenen Sprache zu eigen gemacht, ſo muß in den mittleren Klaſſen durch das beginnende Studium der griechiſchen Sprache eine tiefere Kenntniß des Alterthums vorbereitet werden ³).
Wie bei der deutſchen Sprache, ſo fordert die Lehrklugheit auch bei dem Grammatikal⸗Unterricht in den fremden Sprachen, ſich am Anfange auf die noth⸗ wendigſten Sprachregeln zu beſchränken und bald zur Lectüre überzugehen. Die genauere, vollſtändigere Kenntniß der Regeln ergibt ſich am beſten durch die Analyſis der Leſeſtücke und die fortgeſetzte tägliche Uebung 4).
1) Die Grammatik gibt die vollſtaͤndigſte Logik, deren die Jugend faͤhig iſt, wie Deinhard t,
„der Gymnaſialunterricht nach den wiſſenſchaftlichen Anforderungen der jetzigen Zeit,“ nach⸗ ewieſen hat.
2) In leerhutzganduingt„Welche Stelle iſt dem Unterrichte in der Mutterſprache auf deut⸗ ſchen Gymnaſien einzuraͤumen?, Weilburg 1835. S. 7..
³) Die franzoͤſiſche Sprache gehört in den Sprachunterricht auf einer Gelehrten⸗Schule, haupt⸗ ſächlich wegen ihrer Nuͤtlichkeit und Unentbehrlichkeit fuͤr das weitere praktiſche Leben Lengum iter per praecepta, breve et efficax per exempla. Sen. ep. 6.
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