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auch iſt, derſelbe aus pädagogiſcher Rückſicht, um der intenſiven Bildung des
Knabenalters in den nothwendigen Gegenſtänden nicht Eintrag zu thun, in den
Vorbereitungsklaſſen nicht als ein beſonderer Gegenſtand behandelt werden dürfe,
ſondern mit dem Unterrichte in der Geographie zu verbinden ſei, und zur Bele⸗
bung des geographiſchen Unterrichts dem Knaben anziehende Merkwürdigkeiten der Natur bekannt zu machen ſeien.
Wenn aber die Kräfte des jungen Menſchen zum Anſchauen und Vergleichen reifer geworden ſind, dann trete erſt ein ſpecieller Unterricht uͤber die Naturreiche, über Zoologie, Botanik, Mineralogie ein, der mit der Kenntniß des menſchlichen Körpers(Anthropologie) zu ſchließen iſt. In die obern Klaſſen der Gelehrten⸗ Schule gehört der Unterricht in der Phyſik, um mit den Naturerſcheinungen und ihren Geſegen bekannt zu machen.
Das Studium der Naturgeſchichte, wenn es zweckmäßig behandelt wird, ge⸗ währt den jugendlichen Kräften nicht nur eine ſehr anziehende Beſchäftigung, ſon⸗ dern trägt auch zur Grhe erung und Veredlung des Gemüthes ſehr wohlthätig bei. Die Naturkunde ſoll dem Kinde die Offenbarung Gottes in der Natur ent⸗ hüllen. Was kennen wir von der Allmacht, Güte, Weisheit des unſichtbaren, unerforſchlichen Urhebers der Welt, als was uns die laute Stimme dieſer Offen⸗ barung der Natur durch ſo unendlich viele bewundernswerthe Kräfte verkündigt? „Die Natur,“ ſagt der große Naturhiſtoriker Buffon,„iſt ein großes Buch, in „welchem wir leſen, als in einem Eremplare oder Abdrucke der Gottheit.“ Die Naturkunde ſoll das Kind und den Jüngling zur Anſchauung des in der Natur waltenden Gottesgeiſtes führen und dadurch Liebe zu Golt erzeugen. Wer Gott nicht liebt in ſeinen Werken, die er ſieht, wie will er Gott ſelbſt lieben, den er nicht ſieht? Der Unterricht in der Naturgeſchichte muß alſo auch dem Geiſte, welcher dadurch zur Kenntniß der in ihren Erzeugniſſen wunderbaren Natur ge⸗ langt, eine Richtung zum Göttlichen geben, und die Vorwürfe, daß er die Erhe⸗ bung des Gemüthes hemme, die Schule von der idealen Richtung abführe, kön⸗ nen, wenn ſie allgemein ausgeſprochen werden, nur Erſtaunen erregen.„Alles „Studium der Natur, wenn es der Würde unſeres Geiſtes gemäß getrieben wird, „führt, nach dem Bekenntniſſe des Naturforſchers Lichtenberg, zu großem mo⸗ „raliſchen Zwecke.“
Und einer der berühmteſten deutſchen Aerzte, Hufeland, ſprach öffentlich den Wunſck aus:„daß zur Bewahrung der Reinheit des Gemüthes früͤhzeitig die „Naturſtudien begonnen werden ſollten. Die Gegenſtände der Natur, ſagt er, er⸗ „regen keine unnatürlichen Triebe, ſondern erhalten den reinen Naturſinn, der „das beſte Gegengift gegen dieſelben iſt.“—
Die Erkenntniß des menſchlichen Geiſtes hat für die Schule die drei Gebiete der Sprache, der Geſchichte, der Mathematik.
Die Sprache uͤberhaupt iſt das erſte und wichtigſte Bildungsmittel, weil die erſte Offenbarung des Geiſtes das Wort iſt. Da nun in der Mutterſprache


