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„welcher uns den unſichtbaren Gott am beſten kenneu gelehrt, alsdann von Un⸗ „dankbaren, die Gott nicht geliebt hätten, viel zum Heile der Menſchheit gelitten „habe, aber dafür auch unausſprechlich von Gott geliebt ſei.“.
Auf der zweiten Stufe, d. h. im Knaben⸗ und angehenden Jünglingsalter, ſoll der Religionsunterricht bezwecken, die heiligen Wahrheiten der Lehre Jeſu ein⸗ zuprägen; es müſſen jedoch die Lehren der Religion und Moral mehr hiſtoriſch, als Lehren einer poſitiven Offenbarung vorgetragen werden.
Und erſt im reiferen Jünglingsalter müſſen jene auf die Principien der Ver⸗ nunft zurückgefuͤhrt werden, um die Gewißheit und den Inhalt der rationalen Lehren der Religion aus der Entwickelung der Ideen der Vernunft zu rechtfertigen. Sehr richtig ſagt jedoch Ler ¹):„Der Religionsunterricht ſoll in den oberen „Klaſſen überall das Erkenntnißvermögen in ernſten Anſpruch nehmen, Nichts als nreligiöſe Wahrheit vortragen, dasjenige weglaſſen, was der aufgeklärten Vernunft „geradezu widerſtreitet, aber auch nicht Alles in die Sphäre des niedern Wiſſens „herndsichen ſondern immer darauf hinweiſen, daß der menſchlichen Vernunft „gewiſſe Grenzen geſteckt ſind, wo das Gebiet des Wiſſens aufhört und das des „frommen Glaubens anhebt, welcher aber Nichts mit dem eiteln Wahne der Tho⸗ „ren gemein hat, ſondern in der Natur des menſchlichen Geiſtes, in der tiefſten „Tiefe der menſchlichen Bruſt ſeine Begründung findet.“ Denn wenn es auch am wichtigſten iſt, Gott mit dem Herzen zu verehren, ſo beruht doch die Religion eben ſo weſentlich auf einem poſitiven Glauben.——
Nachdem ich nun in dem Bisherigen angedeutet zu haben glaube, wie das religiöſe Gefühl geweckt und genährt, und der Religionsunterricht gelehrt werden muͤſſe, um zur Erkenntniß Gottes zu führen, als der höchſten Sphäre menſchlicher Erkenntniß, ſo gehe ich jetzt zu den Lehrgegenſtänden über, welche die beiden an⸗ dern Sphären menſchlicher Erkenntniß umfaſſen, die Natur und den menſchlichen Geiſt, und will hauptſächlich zeigen, daß ſie auch von ſittlichem Einfluſſe ſind und ſittliche Ideen hervorbringen.—
Die Natur mit ihrem Reichthume der mannichfaltigſten und kunſtvollſten Erzeugniſſe iſt eine Hauptquelle der menſchlichen Erkenntniß; durch die Natur werden wir in der Kindheit zum Anſchauen und Denken geweckt und nachher fortwährend in regſamer Thätigkeit erhalten. Die Gegenſtände der Matur zeigen ſich in ſolcher reizenden Abwechſelung und Schönheit, daß der Stoff der Beleh⸗ rung nie erſchöpft wird und nur für zweckmäßige Auswahl des Wiſſenswürdigſten geſorgt werden muß. Meine Abſicht iſt es nicht, mich uͤber zweckmäßige Ein⸗ theilung, und über Methode des naturgeſchichtlichen Unterrichts weitläufig auszulaſſen ²); bemerken will ich hier nur, daß, ſo anziehend dieſer Lehrgegenſtand
1) Lex in ſeinem Programm: Ueber Zweck, Einrichtung und Rothwendigkeit der Buͤrger⸗ und Realſchulen. Wiesbaden 1843. S. 12. 3 2) Ich verweiſe in dieſer Hinſicht auf Schenck: Ueber den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht
in den unteren Klaſſen der Gelehrten⸗Schulen. Dillenburger Programme v. 1840 u 1841.
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