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gegebenen Vorſchriften, durch deren genaue Beobachtung ſein Herz immer mehr Preinigt werden ſoll, erfülle, ſo ſolle das große, für ſeine Sünden dargebrachte
ühnopfer ihm die ewige Seligkeit, die Gemeinſchaft mit Gott in einem andern Leben gewiß erwerben. Die chriſtliche Religion verheißt uns offenbar die erha⸗ benſte Seläziei als Lohn für die Arbeit an unſerer Vervollkommnung.. Ddeerr Glaube an Gott, den Ewigen, Unendlichen, Allgegenwärtigen, den hei ligen Schöpfer und Regenten der Welt, an deſſen Weisheit keine andere Weisheit reicht, deſſen Macht keine andere gleich kommt, die Verehrung deſſelben durch zute, edle Geſinnung und treue Pflichterfüllung, der Glaube an Vergeltung und Vollendung unſeres unvollkommenen Zuſtandes auf Erden in einer ewigen Fort⸗ dauer nach dem Tode ſind durch Chriſtus und ſeine Kirche das Gemeingut der Menſchheit geworden.
Und wenn auch anerkannt werden muß, daß in den klaſſiſchen Schriftſtellern der Griechen und Römer reine und erhabene Ausſprüche über Gott, Tugend, Recht, uͤber die ſittliche Verehrung Gottes, über Unſterblichkeit des Geiſtes ent⸗ halten ſind; wenn die Schriften der Sokratiſchen Schule, des Platon, Tenophon, die Schriften des Ariſtoteles, Sophokles, Euripides, die Stoiker, Cicero, Tacitus, Plutarch vielfache treffliche Beſtätigungen der religiöſen und ſittlichen Wahrheiten gewähren; ſo ſind dieſelben doch oft nicht frei von Irrthum, zur Beſſerung der Menſchheit nicht zureichend wirkſam. Es wird wohl durch dieſelben beſtätigt, daß die wichtigſten Wahrheiten des geiſtigen Lebens ewige, auch im Alterthum aner⸗ kannte Wahrheiten ſind, tief gegründet in dem Weſen des menſchlichen Geiſtes; aber die Lehre Chriſti iſt es, die eine allumfaſſende Weltreligion und ein auf ſittliche Beſſerung abjielende Kirche geſtiftet hat.
Und darum weiſe ich dem chriſtlichen Religionsunterricht die erſte Stelle auf der Schule an. Das Schuledict des Herzogthums Naſſau ſagt auch bei dem Lehrplane für die Elementarſchulen:„Die Religion iſt das Höchſte eer Meuibenbüdung, darum muß ſich die Volksſchule die religiöſe Bildung zum „Ziele ſetzen.“
Soll jedoch die religiöſe Bildung der Jugend gedeihen, ſo iſt dieſelbe nicht einſeitig als Sache des Verſtandes und des Gedächtniſſes zu behandeln; denn es wird kein Menſch wahrhaft religiös durch Mittheilung einer Maſſe von Dogmen. Der Unterricht bezwecke in den erſten Jahren hauptſächlich die religiöſe Gemüths⸗ bildung. Sittlichkeit und Religion ſind zunächſt Angelegenheit des Gemüthes; in dem Gemuthe kündigt ſich die Religion des Kindes zuerſt an. Gott, der Ur⸗ ſprung aller Dinge, der Urquell aller Geiſter, Gott ſelber muß es ſein, zu dem die Erziehung ſchon in den erſten Jahren ſühren muß, um das religiöſe Gefühl des Kindes, das Alles an ſeine Vorſtellungen von Gott anknüpft, zu wecken. „Sobald die Jahre der bloßen ſaſt thieriſchen Sinnlichkeit vorüber ſind, Verſtand „und Vernunft ſich, wenn gleich noch langſam und ſchwach, doch nun ſchon be⸗ „merkbarer zu entwickeln anfangen, und das Kind Beweiſe von guten Empfin⸗


