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„ren Ziele führen kann, ſo muß Generation um Generation nach Vervollkomm⸗ „nung ringen.— Und man kann füglich als Zweck der Erziehung für unſere „Zeit bie Forverung der chriſtlichen Civiliſation unter der Jugen d „hinſtellen.
Das Gefuͤhl für das Gute und Edle ſoll in dem Zögling kräftig angeregt, und der Wille durch thätiges Wirken für daſſelbe geſtärkt werden. Nicht die ein⸗ ſeitige Bildung des Verſtandes oder des Gedächtniſſes, ſondern die Veredlung des Gemüthes iſt das Fundament der vernunftgemäßen Bildung. Das veredelte Ge⸗ müth iſt es, was den Menſchen liebens⸗ und achtungswürdig macht, was ſeine perſönliche Würde erhöhet. Der ſittlich-religiöſen Bildung des Gemüths muß aber ein gebildeter Verſtand zur Seite gehen, um das Gute richtig zu erkennen, und die Abwege des überſpannten Gefühls zu meiden.
Zur Erfüllung der vernünftigen Beſtimmung auf der Erde gehört aber nicht bloß Bildun der eigenen geiſtigen Kräfte, ſondern auch Kenntniß und Beherr⸗ ſchung der Natur, und Einrichtung und Bildung der menſchlichen Geſellſchaft nach den Ideen des Rechts und der Sittlichkeit, um ein Reich der Wahrheit, Tugend und Glückſeligkeit unter den Menſchen zu begründen und in ununterbrochener reger Thätigkeit zu erhalten. Alle Arten der Bildungsanſtalten, die Volks⸗ und Gelehrten-Schulen, ſollen dieſes Ideal der vernunftgemäßen Vollkommenheit un⸗ abläſſig vor Augen haben und ihyxe Einrichtungen auf ſolche Art treffen, daß ſie nach den Bedürfniſſen der Zeit und des Landes zur Förderung deſſelben wirken. „Der chriſtliche Erzieher muß anerkennen,“ ſagt Schwarz 1¹),„daß durch Gottes „gnädige Fügungen die menſchliche Vollkommenheit von Jahrhundert zu Jahr⸗ „hundert, ja von Jahrzehend zu Jahrzehend geſteigert worden iſt, daß ſie aber „auch künftig von Generation zu Generation gedigen⸗ werden ſoll, und daß da⸗ „rum unſere Aufgabe nicht iſt, bei dem Beſtehenden zu verharren, ſondern fort⸗ „während Alles zu beſſern.“ 8
Um dieß zu erreichen, muß ſittlich⸗religiöſe Bildung die Baſis der Jugendbildung ſein.„Der ſittliche Grund, auf welchem alle Bildung und Cultur „gebaut ſein muß, wenn ſie dieſen Namen mit Recht verdienen ſoll, iſt: Was „wahrhaſt, was gerecht, was keuſch, was wohllautet, iſt etwa eine Tugend, iſt „etwa ein Lohn, dem denket nach ²).“
Die chriſtliche Religion iſt das angemeſſenſte und kräftigſte Mittel für die religiöſe Bildung. Chriſtus iſt den Menſchen von Gott geſandt zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlöſung. Die chriſtliche Religion ſagt uns, mit Gottes Hülfe könne der Nenſch ſchon in dieſem Leben anfangen, das verlorne Ebenbild Gottes in ſeiner Seele herzuſtellen; und, wenn er die im Evangelium
1) Schwarz, a. a. O. Thl. I. S. 4. 2)„Was iſt es, was unſern Schulen in der Gegenwart Noth thut? Ein erziehender Unter⸗
richt.“ Aulgem. Anzeiger u. Nationalzeitung der Deutſchen. B. 103. 1842.


