Aufsatz 
Abhandlung über Mohamed und die Araber bis zum Zerfall des Chalifats
Entstehung
Einzelbild herunterladen

104

leitende Hand des Lehrers unterſtützt, das chaotiſch durcheinander ſich Be⸗ wegende ſichtet und beſtimmt. Die Sprache entwickelt ſich durch Lebensver⸗ haͤltniſſe und in denſelben. 3

Wenn demnach das eigentliche Ziel der Hamilton⸗Jacotot'ſchen Methode, ſo weit ſolches ohne den Gebrauch und das Studium der Grammatik zu er⸗ reichen iſt, nicht hoͤher geſteckt werden kann, als den materiellen Beſitz der fremden Sprache, das durch Uebung erworbene Sprechen, Verſtehen und wohl auch Schreiben derſelben; ſo beſchraͤnkt ſich die darin zu erwerb ende Sprachkenntniß ganz und gar auf die Grenzen, worin derjenige ſich einge⸗ engt findet, welchem die durch die Noth erlernte Mutterſprache auch nur zum Nothbehelf der Mittheilung dient, der die Woͤrter ſpricht, ſchreibt und ver⸗ ſteht, ohne ſich ſelbſt eine andere Rechenſchaft geben zu koͤnnen, als weil es ſeinem Gefuͤhl⸗ und Gehoͤrſinne ſo zuſagt. Dieſer von den Vertheidigern der Methode ſelbſt aufgeſtellte Geſichtspunkt deutet dann auch ſogleich auf die Lehrinſtitute hin, worin ſie brauchbare Anwendung finden kann, naͤmlich ſolche Inſtitute, welche keinen andern Zweck haben, als daß die Schuͤler, mit Aus⸗ ſchluß der wiſſenſchaftlichen Kenntniß der Sprache, ſolche nur zum Behufe der Mittheilung zu erlernen ſtreben. Fuͤr gelehrte Schulanſtalten, denen ein hoͤherer Zweck vorgeſteckt iſt, beſcheidet ſie ſich daher ſelbſt, nicht ausreichend u ſeyn. Sieht man auf den Grund und Urſprung der Erfindung dieſer Methode zuruͤck; ſo ſcheint ihre Anwendbarkeit ſich auf den Unterricht in den gedachten Inſtituten zu beſchraͤnken, wohl kann auch ein Sprachkenner auf dem analy⸗ tiſchen Wege noch eine andere Sprache mit Leichtigkeit erlernen, allein in ihrem ſtreng einſeitigen Verfahren kann ſie zur Einfuͤhrung in die gelehrten Schulanſtalten nicht empfohlen werden. Indeſſen iſt doch nicht zu mißkennen, daß in ihr manche Beobachtungen erneuert und beſtaͤtigt worden ſind, welche fruͤher ſchon gekannt und von geſchickten Lehrern aͤlterer und neuerer Zeit beim Sprachunterricht benuͤtzt worden ſind, z. B. die woͤrtliche Ueberſetzung laſſen bei den Anfaͤngern wohl alle Lehrer der richtigen deutſchen Satzconſtruction voran⸗ gehen, um dieſelben auf die Vorſtellungs⸗ und Ausdrucksweiſe des fremden Volkes, und deren Unterſchied von jener des eigenen aufmerkſam zu machen. Die Nachahmungen(imitationes) ſind in den Schulen ſchon laͤngſt im Ge⸗ brauch geweſen, in der Art zwar, daß deutſche Aufgaben gegeben wurden, worin Woͤrter⸗ und Satzconſtructionen, die in dem geleſenen Claſſiker vor⸗ gekommen waren, zur Hilfe genommen werden konnten. Schon an dieſen ſonſt nuͤtzlichen Uebungen der Nachahmung fanden die Lehrer der alten Sprachen Gelegenheit, die Beobachtung zu machen, daß es einen verkehrten Weg ein⸗ ſchlagen heiße, vor der Kenntniß der Grammatik die Schuͤler mit Ueber⸗ ſetzungen aus der Mutterſprache in die fremde Sprache beſchaͤftigen zu wollen.

Aus dieſen kurzen Betrachtungen und Eroͤrterungen der Hamilton⸗ Jacotot'ſchen Sprachunterrichtsmethode duͤrften ſich folgende Reſultate ergeben: