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en der Woͤrter, welche die etymologiſchen Formen vorſchreiben, ſind fuͤr den Juͤngling, der im ſyſtematiſchen Denken nicht geuͤbt iſt, eine Arbeit, wozu, um ſie mit Ernſt anzugreifen und mit Beharrlichkeit zu vollenden, eine Art von herriſchem Muth erforderlich iſt, und dazu werden die Schuͤler in dem langſa⸗ men Voranſchreiten nach der ſynthetiſchen Methode abgehaͤrtet. Haben ſie erſt die oͤde Steppe der durren Sprachformen durchwandert, wozu ihnen die Kennt⸗ niß dieſer Formen in der Mutterſprache den Weg erleichtert und verkuͤrzt; ſo ſeben ſie die freundlichen und reichen Fluren der Sprachſchoͤnheiten in den claſſiſchen Schriften ſich vor ihnen oͤffnen, die ihrem Geiſte ſchmackhafte Nah— rung und ihrer Phantaſie Bilderſpiele zufuͤhren, welche ihre fruͤhern Anſtrengun⸗ gen reichlich lohnen, und ſie die Muhe nicht bereuen laſſen, die ſie darauf ver⸗ wendet haben, um deren Genuß zu erringen.
Einen großen Werth legen die Freunde der analytiſchen Methode auf die zwiſchenzeilige Ueberſetzung, indem ſie den Anfaͤngern Muhe und Zeit erſpare, welche ſie im Aufſuchen eines Wortes im Lexicon verſchwenden muͤſſen. Wer weiß es nicht, ſagen ſie, wie viele Irrwege durchwandert werden muͤſſen, bis die Wurzel und die rechte Bedeutung eines Wortes aufgefunden wird, wenn das Wort von verſchiedenen Wurzeln hergeleitet und in mehrfacher Bedeutung genommen werden kann? Haben nun die Schuler eine Aufgabe erhalten, auf welche ſie ſich vorbereiten ſollen, ohne ſolche Ueberſetzung vor ſich zu haben, ſo iſt ihnen eine Beluſtigung und ein Zeitverluſt zugemuthet, wovon die zwi⸗ ſchenzeilige Ueberſetzung befreit.
Dieſe Erleichterung wird den Schuͤlern der analytiſchen Methode jedoch nur ſo lange zu Theil werden, als der Lehrer ſelbſt die Saͤtze der fremden Sprache muͤndlich erklaͤrt; ſie werden aber nicht im Stande ſeyn, einen ein⸗ zigen Satz zu verſtehen, worin abgeleitete Formen vorkommen, die nur in der genauen Kenntniß und Zuruͤckfuͤhrung auf die Grundform erkannt und ver⸗ ſtanden werden koͤnnen Sobald das Hebammengeſchaͤft des Lehrers aufhoͤrt, iſt es auch mit dem eigentlichen Verſtehen der Ueberſetzung bei den Schuͤlern zu Ende; ſie lernen die Aufgabe auswendig, ob ſie hebraͤiſch, arabiſch, grie⸗ chiſch oder lateiniſch iſt, und behalten hoͤchſtens die Bedeutung einiger einzel⸗ ner Woͤrter im Gedaͤchtniß, aber Genus, Numerus und Caſus der Nenn⸗, Bei⸗ und Fuͤrwoͤrter, Modus, Tempus, Numerus und Perſon des Zeitwor⸗ tes und vorzuͤglich die Rection, das ſind Dinge, fuͤr die ſie, wenn ſie ihnen auch vorgeſagt und oft wiederholt werden, keinen Anhaltspunkt haben. Das Auswendiglernen der Ueberſetzungsſaͤtze erſcheint demnach doch nur als eine mechaniſche Operation, eine Anſpannung und Ueberladung des Gedaͤchtniſſes, woobei daſſelbe durch dieſe Uebungen vielleicht an Spannkraft und Umfang ge⸗
winnt, allein offenbar zum Nachtheil der uͤbrigen geiſtigen Kraͤfte, des Ver⸗ ſtandes und der Urtheilskraft angeſtrengt wird. Und doch iſt die Sprachlehre in den untern gelehrten Schulen einer der Hauptgegenſtaͤnde, wodurch die gleichfoͤrmige Entwickelung jener Geiſtesvermoͤgen eingeleitet und befoͤrdert werden ſoll und kann. Der gewichtigſte Grund, welchen die Paͤdagogik die⸗


