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Nacht unentſchieden zu enden; allein der Fall ihres kühnen Anfuͤhrers be⸗ ſtimmte die Araber noch waͤhrend derſelben zu einem Ruckzuge, den ſie bis über die Pyrenaͤen fortſetzten, jedoch nicht verfolgt von den Franken, die der ſchwer errungene Sieg nicht wenig geſchwaͤcht hatte. Weit und breit war die Wahlſtatt mit den Leichen der Gefallenen bedeckt.
Dieſer Tag bei Tours und Poitiers, im October 732, war ein großer Tag. Der Heldenmuth Carl's des Hammers und die Ausdauer ſeiner Franken batte nicht blos das fränkiſche Reich, ſondern auch die chriſtlich germaniſche Welt gerettet.
Da der Sieger die Fruchte dieſes glaͤnzenden Sieges nicht vollſtaͤndig hatte ernten koͤnnen, ſo erholten ſich die Araber bald und ſuchten auf's neue vorzudringen; und dazu kam, daß ſie von den chriſtlichen Großen im öoͤſtlichen Frankenreiche,(namentlich von dem Herzog Morontus von Burgund,) die mit Carl Martell's Regimente unzufrieden waren, in's Land gerufen wurden. Sie ſetzten uͤber die Rhone und bemaͤchtigten ſich der Staͤdte Avignon und Arles. Aber Carl ſchlug ſie(737) bei dem Fluüßchen Berre, un⸗ weit Narbonne, ſo nachdruͤcklich, daß man dieſen Sieg dem bei Poitiers
errungenen gleich ſtellte.
Im Verlaufe eines Jahrhunderts war, wie ich gezeigt habe, die Macht des Islams zu einem Reiche geſtiegen, dem ſeit dem großen noͤmiſchen Reiche kein Staat an Umfang gleich kam; denn vom atlantiſchen Meere im W. er⸗ ſtreckte ſich des Chalifen Gewalt laͤngs der nordafrikaniſchen und weſtaſiatiſchen Kuſten bis zum Orus und Indus im O.
Dieſe Ausdehnung uͤber drei Welttheile enthielt ſchon an ſich die Unmöglichkeit einer bleibenden Einheit; aber durch religioͤſe Spaltungen, die auch politiſche wur⸗ den, zerriß noch das Band der fruͤheren Einigung; und bald waren faſt alle Theile der großen Laͤndermaſſe, welche das Schwert der Moslemen ſo raſch erobert hatte, in Aufruhr gegen den Herrn der Glaͤubigen begriffen. Die blutige Gewaltthat, wo⸗ durch Ali's Haus durch Moawijah aus ſeinem Rechte verdraͤngt ward,(ſ. S. 16) war von den Aliten nicht vergeſſen; Grauſamkeit und Ausſchweifungen ſo man⸗ cher Chalifen aus dem Hauſe Ommajah ¹²) machten das ganze Geſchlecht ver⸗ baßt, und im Oſten des Reiches, in der perſiſchen Provinz Khoraſſan, bildete ſich eine zahlreiche Gegenpartei, die der Abbaſſiden.) Aufgemuntert durch
¹) Von 719— 744, einem Zeitraume⸗von 25 Jahren, beſtiegen 6 Chalifen
den Thron: Jezid II., verſchwenderiſch und genußſüchtig; der geizige Heſcham;
darauf der Verſchwender Walid II., dann der Knauſer Jezid III., dem ſein Bruder Ibrahim folgte, der bald von ſeinem Bruder Merwan II. geſtürzt ward.
²¹) Sie nannten ſich nach Abbas, Mohammeds Oheim, der aus deſſen Feinde ſein
wärmſter Anhänger geworden war, und der ſich nebſt ſeinem Sohne Abdallah, wel⸗
cher den Beinamen„der größte Lehrer der Moslemen“ erhielt, auf's eifrigſte um die
Verbreitung des Islams bemühete.


