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Dieß war, der Hauptſache nach, der neue Glaube, welcher darauf aus⸗ ging, das Chriſtenthum zu unterdruͤcken, und der ſich als Ziel die Herrſchaft uͤber die ganze Erde geſetzt hatte. Wenn wir uns wundern, wie es zugehen mochte, daß dieſer Glaube bei ungleich geringerem innern Werthe ¹) dem Chri⸗ ſtenthum einen großen Theil ſeiner Beſitzungen und ſo viele ſeiner Anhaͤnger entriß, ſo muͤſſen wir bedenken, daß nicht der Kampf mit den Waffen des Geiſtes, ſondern mit dem Schwerte gefuͤhrt wurde, daß die Chriſten in Par⸗ teien getheilt waren, die ſich unter einander mehr als den allgemeinen Gegner baßten und ihm den Sieg erleichterten. Das griechiſche Reich war in Alters⸗ ſchwaͤche und Ohnmacht; das durch einen langjaͤhrigen, anfangs ſiegreichen, dann verluſtvollen Krieg geſchwaͤchte Perſien vermochte nicht der bei angebor⸗ ner Tapferkeit und einfachen Sitten noch friſchen Kraft, dem hohen Enthu⸗ ſiasmus und der religioͤſen Begeiſterung zu widerſtehen, die der Prophet ſeinen Bekennern, welche unter kuͤhnen und uneigennuͤtzigen Feldherrn fuͤr ſeine Sache fochten, eingefloͤßt hatte.„Vor euch iſt das Paradies, hinter euch die Hoͤlle!⸗ riefen die arabiſchen Feldherrn ihren Streitern zu, die ſie in die Schlachten fuͤhrten. Wie im Sturmſchritt, ward zuerſt Syrien mit Damaskus, dann Palaͤſtina und Aegypten erobert; bald ging nach vergeblichem Kampfe auch Perſien unter; wie Kleinaſien von den Saracenen ²) durchzogen ward, ſo ward nach und nach ganz Nordafrika und von da aus Spanien den Chriſten entriſſen; es geſchaben von ihnen Einfaͤlle, und entſtanden Staa⸗ ten in Sicilien und Unteritalien, und zuletzt ward ihrem weiteren Vor⸗
d der um 1770 eine Reformation in Arabien unternahm, verwerfen alle Tradition, erken⸗ nen zwar Einen Gott an, betrachten aber Mohammed nicht als Heiligen und Propheten, ſondern nur als weiſen Mann.
*) Dem Chriſtenthum gebührt das Verdienſt, die moraliſchen und religiöſen Ideen unter den Menſchen am wirkſamſten geweckt und begründet, eine ſittliche Umſchaff ung be⸗ wirkt zu haben. Die Lehre des göttlichen Heilandes lehrt den Glauben an einen heiligen Schöpfer und Regenten der Welt, deſſen Verehrung durch reine gute Geſinnung und durch treue Pflichterfüllung, und den Glauben an Vergeltung und Vollendung des gegen⸗ wärtigen unvollkommenen Zuſtandes in einer ewigen Fortdauer nach dem Tode. In ihm offenbart ſich Erhebung über das Vergängliche zu dem Ewigen und Weihung des Natürlichen durch die heilige Geſinnung. Es verheißet ein erhöhetes geiſtiges Leben in der Nahe des allmächtigen Gottes allen Guten, nicht ein ſinnliches, nur für den irdiſchen Genuß geſchaffenes Paradies, wie der Islam. Die criſtliche Lehre verdammt nicht die, welche ihr nicht beitreten; ſie predigt chriſtliche Frei⸗ heit, nicht türkiſchen Fatalismus, der Gefühlloſigkeit und Träoheit erweckt; ſie verbietet die Polygamie, welche ſchon im Privatleben den Despotismus egründet.
*) Saracenen, gemeinhin von den Europäern ſo genannt, von Sara, Sahara, Sara⸗ rene, einer rauhen Gegend des peträiſchen Arabiens, welche nach Ritter's Erdkunde dieſelbe iſt, die dem römiſchen Heere unter Aelius(zallus, zur Zeit des Kaiſers Augu- stus, ſo verderblich ward.


