Aufsatz 
Abhandlung über Mohamed und die Araber bis zum Zerfall des Chalifats
Entstehung
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Felſenzuͤgen, mit unabſehbaren gluͤhend heißen Sandſtrecken und hoben Sand⸗ bergen, ohne Gewaͤchs und waſſerarm. Nur der mittlere Theil dieſer großen Wuͤſte enthaͤlt Oaſen, d. h. Plaͤtze, wo es Waſſer, Gras und oft Dattelpal⸗ men und Strauchwerk gibt, und Wady's, d. h. Vertiefungen, in welchen zu⸗ weilen Regenwaſſer oder auch wohl ein ſchwacher Bach fließt. Dadurch ſowohl, als auch durch den in gewiſſen Tiefen unter der Erdoberflaͤche, wenn gleich nur maͤßig, vertheilten Quellenvorrath kann ſie bewohnt werden, und ſie iſt der Aufenthalt der herumziehenden Araber oder Beduinen, d. h. Kinder der Wuͤſte.

Das Volk der Araber, welches theils durch ſeine Eroberungen, theils durch ſeinen Handel, theils durch ſeine Religion eine univerſal⸗biſtoriſche Wich⸗ tigkeit erlangt hat, gehoͤrt zu den Urvoͤlkern, da es von jeher dieſe Laͤnder be⸗ wohnt ¹). Seit den alteſten Zeiten unterſcheiden ſie ſich in ſolche, welche feſte Wohnſitze haben und Landbau treiben, Hadheſi genannt, und in die Beduinen, oöder ſolche, welche von der Natur zum Nomadenleben und oft zur Auswanderung gezwungen werden, da die Armuth des Landes an Waſſer und darum hoͤchſt beſchwerlicher Landbau, der an den meiſten Stellen unmoͤglich wird, ſie von feſten Wohnſitzen abbaͤlt. Letztere ſehen ſich als den eigentlichen Kern des Volkes an, und aus Nedſched ſind jene begeiſterten und kriegeriſchen Horden bervorgegangen, mit denen die erſten Chalifen in kurzer Zeit einen ſo großen Theil der Welt eroberten. Auch finden ſich ſchon in den fruͤheſten Zeiten Spuren, daß dieſe Hirtenvoͤlker, von der Noth oder von Beute und Ruhmſucht getrieben, uͤber die Grenzen ihrer Wuͤſte hinausgeſchwaͤrmt und dann in andern Laͤndern anſaͤſſig geworden ſind ²). Wohl ſind ſchon fremde Voͤlker in einzelne Theile ihres Landes eingedrungen, haben es aber nie voͤllig unterjocht. Aſſyrier, Meder, Perſer, Macedonier, Parther, Roͤmer, Tuͤrken, alle, wenn auch im hohen Taumel der Eroberung, kehrten an den Pforten der Wuͤſten wieder um, in denen die Soͤhne der Wuͤſte, was ſie meiſterhaft verſtehen, nur die Waſſerſtellen zu verſchuͤtten brauchten, um jedem feindlichen Heere einen ſichern Tod zu bereiten. Deßhalb liebt von uralter Zeit her der Beduine die perſoͤnliche Freiheit.

Sie wohnen in Zelten und Huͤtten, naͤhren ſich von Viehzucht und Raub; ihre vornehmſten Hausthiere ſind Schaafe, Ziegen, Pferde und Kameele. Fuͤr die Fuͤtterung der Kameele, die in ihrem Lande das nothwendigſte Beduͤrfniß ſind), hat die Frau zu ſorgen; die Maͤnner beſorgen dagegen die Pferde, die

¹) Nach alter Tradition halten ſie Ismael, einen Sohn Abraham' s, für ihren Stammvater. ²) So überſchwemmten ſie nach Joſeph's Zeitalter, 700 1500 v. Chr., U ntexäßyp. ten, wurden daſelbſt anſäſſig, ſtanden unter Häuptern, welche die Aegypter Hykſos nannten, und dehnten ihre Herrſchaft bis Memphis aus. Sie wurden erſt durch einen König von Theben, Thumoſis, überwältigt und vertrieben, und noch jetzt finden ſich Re⸗ liefs und Wandgemälde in den Ruinen vou Theben, die ſich auf ihre Vertreihung bezieben. ³) Das Kameel iſt der Reichthum des Arabers und ſein treueſter Gefährte. Wie er, wächſt