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In dem bis dahin, und noch bis jetzt wenig bekannten Lande trat Mohammed als Verkuͤndiger einer neuen Religion auf, um deren Verbrei⸗ tung willen die Heere der Moslemen, d. h. Glaͤubigen, auszogen zur Erobe⸗ rung der halben Welt.
„Alle Bewegungen des Alterthums,“ ſagt Luden in ſeinerallgem. Geſchichte der Voͤlker und Staaten,„die Erſchuͤtterungen der Staa⸗ ten und Reiche, das Steigen und Fallen der Voͤlker, unter welchen die Bil⸗ dung des Geiſtes der Menſchheit fortgefchritten war, hatten das große Land, das wir Arabien nennen, gar nicht getroffen, oder doch nur leicht beruhrt. So wenig, als die furchtbaren Eroberer Aſtens mit ihrer Allgewalt, hatte der Macedoniſche Alexander mit ſeinem Geiſt und ſeinem Gluͤck, oder Rom mit ihrer Beharrlichkeit, ihrer Kraft, ihrer Klugheit und ihrer Argliſt etwas Ent⸗ ſcheidendes gegen ein Land auszurichten vermocht, das durch ſeine Beſchaffen⸗ heit alle menſchlichen Anſchlaͤge zu vereiteln ſchien. Die Menſchenmenge, welche tn dieſem Lande Leben und Unterhalt fand, hatte ſich daher im Ablaufe der Jahrhunderte, in Sitte und Weiſe zu ſolcher Eigenthuͤmlichkeit auszubilden ver⸗ mocht, wie kaum auf irgend einem Theile der Erde. Dieſe Eigenthümlichkeit war, obwohl von Alters her mannichfaltiger Verkehr mit der ubrigen Welt ſtatt gefunden hatte, aus der wunderbaren Natur des Landes hervor⸗ gegangen.⸗
Und gewiß gibt es nur wenig Gebiete der weiten Erde, auf welche das Ausland minder Einfluß geuͤbt hat, als auf Arabien, deſſen Bewohner, außer⸗ hald der Straßen der großen Eroberer geſtellt, und auf einem continentalen Boden einheimiſch, der durch Sandſtrecken, Klippenkuͤſten und Meere vor frem⸗ der Eroberung geſchuͤtzt iſt, unbekuͤmmert die Weltreiche um ſich her eutſtehen und vergehen, ſteigen und fallen ſahen, ohne dabei großen Verluſt zu leiden oder bedeutenden Gewinn zu ziehen.
Arabien, deſſen Name von Araba, d. i. Wuͤſte oder Nomaden⸗ land, abgeleitet wird ¹²), faſt 4 mal ſo groß als Deutſchland, doch nur etwa von 10 Mill. Menſchen bewohnt, kommt wegen ſeiner brennenden Sandwuͤſten, ſeiner ſteilen Huͤgelreihen und waſſerarmen Steppeu mit dem groͤßeren Theile des noͤrdlichen Afrika's uͤberein.
Dieſe große ſeltſame Halbinſel, deren Kuͤſten am Perſiſchen Golf flach und ſandig, im Suͤd. und beſonders S. W. bewaͤſſerter und fruchtbarer, am rothen Meere ſteinig ſind, und deren Inneres eine rauhe, hochgelegene Wuͤſte iſt, wird gewoͤhnlich ²) in drei ſehr verſchiedenartige Regionen getheilt: In das
*) In der Bibel heißt es Ka dem, d. i. Morgenland; im Lande ſelbſt wird es gewöhnlich Dſcheſirah⸗al⸗Arab, d. h. Halbinſel der Araber, genannt.
²) Schon Claud. Ptolemaeus, ein berühmter Mathematiker und Geograph, der zu Kaiſer Hadrians Zeiten um 140 lebte, nennt: xerui(petraea)& buο,(deserta) und erdαιμιιν õ(felix).


