1.
Pädagogium zu Wiesbaden.
1. Abhandlung
über Mohammed und die Araber bis zum Zerfall des Chalifats
von
Karl Rotwitt,
Prorector an dem Pädagogium zu Wiesbaden.
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In die Geſchichte des Mittelalters, welches man mit des weſtroͤmiſchen Kaiſerreiches Untergang(476) zu beginnen pflegt, gehen zwei Elemente der alten Geſchichte uͤber: Die Reſte der ſehr geſunkenen Roͤmiſchen Cultur, und das zuletzt obſiegende, ſeit Conſtantin¹) zur Staatsreligion im ganzen Roͤmiſchen Reiche erhobene Chriſtentbum. Dazu kam noch ein drittes, in der Natur und den Sitten der Germaniſchen Voͤlker liegendes, indem dieſe aus ihren nordiſchen Gegenden eigenes Leben und eigenthuͤmliche Gebraͤuche in die von ihnen eroberten Provinzen des Roͤmiſchen Reiches brachten.
Waͤbrend aus der Miſchung dieſer drei Elemente etwas Neues und Groß⸗ artiges im weſtlichen Europa entſtand, waͤhrend im Oſten Europa's das Grie⸗ chiſche Weſen, das ſich um dieſe Zeit gaͤnzlich von der lateiniſchen Welt trennte, und nur aus den Ueberbleibſeln Griechiſcher Cultur und ſeinem Kirchenthume beſtand unb dabei blieb, unter der ſchwachen, ſeelenloſen Regierung ſeiner Kai⸗ ſer bald unbedeutend und ohnmaͤchtig wurde, ſo geſchahen in den fernen Steppen Arabiens Begebenheiten, welche beide Enden jenes Welttheiles zerſtoͤrend beruͤhren ſollten..
¹) Conſtantin, Alleinherrſcher von 323— 337.


