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„Krieg war ſchon zwiſchen mir und ihm, als er den Feldherrnſtab mir in die Hände legte.“
Drum läßt ſich der Herzog, als er das Commando zum zweiten Male nimmt, ausſchließliche Gewalt geben, um allein die Entſcheidung in der Hand zu behalten.
„Abſolute Gewalt hat er, müßt Ihr wiſſen, Krieg zu führen und Frieden zu ſchließen ꝛc.“
Und ſo fühlt er denn in der Benutzung der Macht durch kein Gefühl der Pflicht oder des Zwanges ſich gebunden. Maßgebend für ihn iſt nun der eigene Vortheil und die Verſtimmung gegen die Gegner. Da begreift ſich's, wenn auch der Kaiſer auf Abwehr ſinnt. Anfangs ſchien uns dieſer der Angreifende zu ſein, der den„Pakt“ verletzt, weil derſelbe unbequem geworden. Wir meinten, ſo lange wir vom Standpunkte der Soldaten urtheilten, daß der Kaiſer liſtig und hinterrücks das ungern Zugeſtandene dem Wallenſtein wieder nehmen wolle. Nun aber ſehen wir, daß dieſer Conflict im Grunde durch den Herzog vorhergeſehen und veranlaßt iſt. Die Noth des Kaiſers nutzt Wallenſtein aus auf Umwegen zur Befriedigung ſeiner perſönlichen Wünſche zu gelangen. Seine Unaufrichtigkeit hat dann die Folge, daß die Gegner mit demſelben Mittel arbeiten und ſo ſehen wir denn beide Parteien mit Falſchheit und Verrath gegenſeitig im Kampfe.
Kaum hat Wallenſtein ſeine unhaltbare Stellung eingenommen, als wir ihn auch ſchon bemüht ſehen, diejenigen zu demüthigen, die ihm wehe gethan. Selbſt in Wien ſoll man es fühlen, daß er jetzt wieder und zwar allein regiert.(So wollen des Kaiſers Beamte dem Iſolani nicht gleich die gewünſchten Pferde liefern; Wallenſtein befiehlt und in drei Tagen iſt alles in Ordnung.) Ja, die höhere Gewalt bekundet der Feldherr in einer ſo ſichern Weiſe, daß er es wagt nur„aus ſchuldiger Achtung für den Kaiſer“ Suys zu begnadigen. Deutlicher durfte doch unmöglich die Satire der unerhörten Machtvertheilung gezeigt werden.
Es iſt ſoweit gekommen, daß, wie Queſtenberg es richtig bemerkt, nur noch die„Großmuth“ und der gute Wille des Feldherrn entſcheiden, ob dieſer das Intereſſe des Kaiſers fördere. An dieſen Abſichten fehlt es aber eben
und ſo unterhandelt denn ſtatt deſſen Wallenſtein ſchon„im zweiten Jahre“ mit den Schweden, mit denſelben Schweden, denen er ſtets„gut ſchwediſch“ geweſen ſein will. So hintergeht er ſchon ſeit lange den Kaiſer und deſſen Partei. Er geräth in Widerſpruch mit ſich und ſeiner Aufgabe. Freilich glaubt er noch einſtweilen mit dem Gedanken des Abfalls nur zu ſpielen. Er meint noch immer beide Wege, den der Treue und den des Verraths offen zu behalten; aber in der That muß er, auch wider Willen immer mehr auf den Abfall hinarbeiten. Er hält ſich den gefährdeten Gegenden fern, um das Vertrauen der Schweden zu erwerben; er meidet auf jede Weiſe Baiern, um nur deſſen Herzog zum Feinde zu behalten. Mit ſchadenfroher Genugthuung läßt er Regensburg fallen. Damit nicht genug wird abſichtlich auch das Intereſſe des Kaiſers verletzt: Der Feldherr iſt glücklich geweſen; das ſchwediſche Heer hat bei Steinau die Waffen geſtreckt; Matthias Thurn, die„fluchbeladene Fackel des Krieges“ iſt gefangen genommen. Und wie benutzt der Herzog die Erfolge? Gar nicht. Ja, Thurn iſt in eine„großmüthige Hand gefallen“; Lohn findet er ſtatt Rache.
3 verlangt der Kaiſer zum dritten Male einen Dienſt von ſeinem Feldherrn. Jetzt endlich ſoll dieſer nach dem hart bedrängten Baiern. Langſam, auf dem längſten Wege, zieht er durch Böhmen und— kehrt dann wieder um, auf daß er in dieſem Lande, in einem Erblande des Kaiſers bleibe,„des Kaiſers Länder mit des Kaiſers Heer drücke“.
Man begreift aus dieſer von Queſtenberg mitgetheilten Vorgeſchichte, daß der Conflict zwiſchen Ferdinand und Wallenſtein ſchon nahezu thatſächlich geworden. Wallenſtein, der nur einen dem Kaiſer nachtheiligen Gebrauch von der Armee machen und der, wie er ausdrücklich verſichert, auf keinen Fall die Macht ſich wieder nehmen laſſen will, zwingt ſeinen Herrn auf Abwehr zu ſinnen. Und dieſe Abwehr muß baldigſt eintreten. Denn Böhmen hat ſich der Herzog zum Eigenthum erkoren. Er kennt die Mißſtimmung im Lande und nährt ſie gefliſſentlich, ja dazu verwendet er die kaiſerliche Armee, um dieſe dem Kaiſer und gleichzeitig durch den Druck der Soldaten auch Böhmen ſeinem Herrn zu entfremden. Es iſt ſcheinbar ein bloßes Offenhalten des Weges, wie Wallenſtein es in ſeiner Selbſtvertheidigung nennt, in der That aber ein nicht minder unehrliches und falſches Spiel, wie es auf anderem Gebiete mit dem Buttler verſucht wird. So baut er eine„Mauer“ von Werken auf, die ihm die Rückkehr verſchließen. Hier wird dem Piccolomini die Anwartſchaft auf Sagan und Glatz verheißen und dort(zu Glogau) den Proteſtanten eine Kirche erbaut, Alles nur um Wallenſtein zum eigentlichen Gebieter, den Kaiſer aber zur machtloſen Nebenfigur zu machen. Der Eine wird von Wallenſtein auf dieſe und der Andere auf jene Weiſe hintergangen. Dem Max wird von den uneigennützigen Abſichten des Herzogs vorgeredet, der an ganz Europa bei ſeinen Unternehmungen denke; und dem ehrgeizigen, ſelbſtſüchtigen Buttler wird Wallenſtein als der ſtete Wohlthäter und Gönner, der Kaiſer aber als frivol, eiferſüchtig und undankbar geſchildert. Ja, an dieſem Manne zeigt ſich Wallenſtein ſo unedel, ja ehrlos, daß nur dadurch wir uns mit der furchtbaren Rache, die ihn ſchließlich ereilte, verſöhnen können. Untreue ſchlägt den eigenen


