Aufsatz 
Zur Entwicklung in Schillers Wallenstein
Entstehung
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dann immer von Einem Geiſte beſeelt, wenn auf den Feldherrn und die Armee die Rede kommt. Den erſteren iſt ſie geneigt gradezu zu vergöttern, wie denn auch jeder überzeugt iſt, daß im Wallenſtein höhere Gewalten ſich thätig zeigen.

Eine Ausnahme von dieſer allerdings ungleichen Bewunderung W's. macht im Grunde nur der Kapuziner. Aber auch in ſeinem übertreibenden Eifer, in ſeiner erbitterten, leidenſchaftlichen Keckheit, in ſeinem Bemühen trotz aller Plattheit und Komik doch in gewählten Fremdworten und bibliſchen Citaten ein geiſtiges Uebergewicht ſich zu erwerben, bekundet er nur, wie ſehr man auch die unbedeutendſten Waffen gegen Wallenſtein nicht verſchmäht. Es gelingt ihm drum auch nur, die in etwa zu blenden, die durch Gaukelwerk ſich beſtechen laſſen, wie die Kroaten. Die weit überwiegende Maſſe überſtimmt und übertönt ihn doch trotz allen Schreiens und Schimpfens. Unbedenklich greift man zur Gewalt gegen dieſen unverſchämten des Feldherrn Macht ſchmälernden Geſellen. Und ſo bietet dieſer Vorfall faſt die einzige ſichtbare Handlung des Stückes ein Vorſpiel zu dem ſpäteren großartigen Conflicte beider Parteien.

Und doch ſind in dieſer allgemeinen Geſinnung die Naturen der Krieger ſo verſchieden! Da iſt dem Wallenſtein treu ergeben der 1. Jäger, der bis dahin von einem Herrn zum andern lief. Der abenteuernde Burſche, mit ſeinem friſchen, nicht unwitzigen Sinne, der wol ſchwerlich je gefühlt hat, was Pietät ſei, hängt doch mit bewunderndem Reſpect an dem Feldherrn, bei dem alles einengroßen Schnitt hat. Die feſte Hand des durchgreifenden Mannes hat auch ihn feſt gemacht. Ein ähnlicher Glücksritter iſt ſein Kamerad, der 2. Jäger. Dieſer hat freilich nie am Schreibpult geſtanden, wie der lange Peter von Itzehoe, iſt er dochhinter Wismar her, wo alle Erdkund aufzuhören ſcheint; dafür aber ſchlägt er auch um ſo derber darauf zu, wenn's die Gelegenheit ſo bringt. Trotzig und ſchnell ſchlüſſig, iſt er um die Folgen wenig beſorgt, ja er möchte wol gar wünſchen, daß die da in Wien mit ihnen eseinmal probiren.

So bilden denn dieſe luſtigen Brüder einen entſchiedenen Gegenſatz zu den ſoliden Arkebuſieren. Dieſe zogen nicht abenteuernd umher, ſondern lagen ruhig zu Brieg in Garniſon. Es ſindGevatter Schneider und Handſchuhmacher, denen man vielleicht gewaltſam den Soldatenrock angezogen. Darum iſt's auch für ſie einelend Leben; ſie berechnen, wie lange ſchon der Krieg daure und ſeufzen nach dem Ende; ſie bezahlen die Andern laſſen anſchreiben der Gevatterin baar ihre Schulden, bejammern den armen Nährſtand, der zur Deſperation gebracht werde und doch auch ſo zu ſagen aus Menſchen beſtehe und haben in ihrer ſchlichten, ehrlichen Weiſe kein Verſtändniß für ein eigenes, unabhängiges Handeln. Darum ſind ſie auch voll Staunens, daß die Küraſſiere ſich ſelbſt den Oberſten wählen durften. Wie an ſie eine ähnliche Aufgabe herantritt, nämlich an demPro Memoria ſich zu betheiligen, machen ſie ſich fort. Arglos dem Kaiſer ergeben, ſorgen ſie nicht um die fehlende Löhnung; ſie haben ja ſparſam und nüchtern ſtets gelebt, brauchen nicht viel und kennen gegen den Kaiſer kein Mißtrauen. Bis dahin hat ja das allgemeine Urtheil im Lager noch nicht auf ſie wirken können; bei ihnen den Kredit des Kaiſers zu untergraben fehlte es noch an Gelegenheit. Aber anders mag das werden, wenn ſie erſt länger in dem Felde ſtehen. Schon jetzt iſt ein Zweifel über dieſe defenſiven Brüder gekommen und was der junge einzelne Rekrut, ſchnell an ſich erfuhr, dieſelbe Umwandlung wird bei dem größern Corps der Arkebuſiere auch allmählich ſtattfinden. Mögen ſie darum auch den Jägern gegenüber, die gern mit ihnen anbinden, voll Widerſpruchs ſein, den beſſern, nobelern Elementen des Heeres, den Küraſſieren, deren Uebergewicht ſie ſchließlich weichen, werden ſie ſchon mehr Einfluß zugeſtehen und für Männlichkeit und Ehrgefühl Sinn bekommen. 3

Denn das repräſentiren und zwar im Gegenſatze zu den Kroaten die Küraſſiere. Sind die Kroaten ein verachtetes Diebsgeſindel, das dumm und mißtrauiſch keine Spur von eigenem Urtheil äußert, darum Schutz ſucht bei der entgegenkommenden Geiſtlichkeit, aber auch hier faſt ebenſo geprellt wird, wie vordem vom Scharfſchützen und anderen Kameraden, ein Element, daß noch zu keinem Ehrgeiz ſich emporgeſchwungen und dafür ſich in ſeiner Eitelkeit über bunten Tand und Flitterkram kindlich freut, ſo bildet, wie geſagt, zu dieſen Leuten einen entſchiedenen und ausgeſprochenen Gegenſatz der nobele, dasHandwerk edel betreibende Küraſſier, der ſich nicht ſchlachten läßt, wie der Kroat. Und mit dieſer höhern Auffaſſung des Kriegerſtandes gibt er auch unter den beſſeren Elementen im Lager den Ton an. Er läßt den betrügeriſchen Bauern laufen und man reſpectirt ſeine That, wie ja der Fürſt ſelbſt die Handlungen des betreffenden Regiments reſpectirt, ja ihm eigene Juſtiz, Wahl der Oberſten und beſonders ſeine Neigung voraus geſchenkt hat. Es iſt ein Regiment, dasaus des Oberſten eigenem Munde von wichtigeren Plänen unterrichtet wird, deſſen eigenes, ſelbſtändiges Urtheil auch in Wien ſo bekannt und gefürchtet iſt, daßabſonderlich wir Wallonen,die allerbeſten Schwadronen dem Heere entzogen werden ſollen, auf daß dieſes letztere bei der bevorſtehenden Operation zugänglicher den Aufforderungen der kaiſerlichen Geſandten werde. Darum wird auch die einzige That, zu der die Maſſen ſich verſtehen durch den Küraſſier vorbereitet. Er erklärt die