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ſind natürlich und echt volksthümlich und tragen dadurch weſentlich bei, die ganze Trilogie dem Volke anziehend und lieb zu machen. Dabei werden wir in dieſem erſten Spiele orientirt über die Machtverhältniſſe, die für die Entſchließungen Wallenſtein's ſo entſcheidend ſind; vor allem aber werden wir in die Handlung ſelbſt auch eingeführt, die in ihrer ganzen Tragweite angedeutet und eingeleitet wird.
1 Es iſt alſo auch das Lager Wallenſtein's ein weſentlicher Theil der Trilogie, der um ſo mehr eine eingehende Beachtung verdient, als nach des Dichters eigenen Worten„das Lager nur das Verbrechen erkläre.“
Allerdings ſtehen wir der Entſcheidung des Conflictes im erſten Theile noch recht fern, und das Intereſſe dafür iſt darum immerhin noch ein untergeordnetes. Mit den weiteſten Kreiſen haben wir es zu thun, mit der ganzen Maſſe des Heeres, das aus den Schranken der Disciplin, der Ordnung und des Gehorſams heraustritt und— ſo maßvoll auch immerhin das Begehren der Leute bleibt— dennoch die Schuld Wallenſtein's mitbegründet, indem er aus der freien Parteinahme des Heeres weſentlich den Muth gewinnt, den— ſo vielſeitig genährten— Verſuchungen des Herzens nachzugeben.—
Das eigentliche Reſultat des erſten Stückes war der Beſchluß geweſen, durch Max Piccolomini ein Pro memoria einzureichen. Damit werden wir zum zweiten Theile, den Piccolominis, geführt, wo uns die Genoſſen des Max, die Generale und Oberſten beſchäftigen. Der Kreis iſt enger geworden, die Stellung der Handelnden aber und das von ihnen ausgehende Unrecht bedeutender. Im Taumel verſtehen ſich die Führer zu einer Demonſtration gegen den Kaiſer. Sie haben das ſchriftliche Verſprechen gegeben vom Wallenſtein nicht laſſen zu wollen und dabei ſich entweder betrügen laſſen oder ſelbſt betrogen.
Das Unrecht aber gipfelt ſich im dritten Theile. Und jetzt haben wir es vor allen mit dem Mittelpunkt der Bewegung, mit Wallenſtein ſelbſt zu thun. Hier bleibt man nicht bei Wünſchen, wie im Lager, nicht bei ſchriftlichen Erklärungen, wie in den Piccolominis; Wallenſtein geht hier zum Handeln, zum offenen Abfall über.
Und doch verliert der Held nicht im Laufe der Handlung. So entſchieden äußerlich, durch die offene That, ſein Unrecht ſich kund gibt, ſo gewiß zeigt ſich dies mehr und mehr als Reſultat der Noth, deren Gewalt er ſich trotz allen Widerſtrebens nicht zu entziehen vermag. Und während er nun auf das Schwerſte, in ſtets geſteigertem Maße ſeine Schuld büßt, ringt ſich bis zu dem tragiſchen Ende des Helden die Seele vom Böſen los und entfaltet immer glänzender die wahrhaft große, majeſtätiſche und doch menſchliche Perſönlichkeit.
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Wenn, wie oben bemerkt, gegen den Schluß hin die äußere Entwicklung der Schuld des Helden und gleichzeitig die innere Läuterung deſſelben in ſtets ſchnellerem Maße ſich vollzieht, bis plötzlich alle Stützen ſeiner Macht in's Wanken kommen und mit furchtbarer Gewalt über ihn zuſammenſchlagen, ſo tritt zu Anfang die Handlung mehr zurück und an deren Stelle iſt es eine„Reihe von Gemälden“, die der Dichter uns aus jener bewegten Zeit vorführt, um ſo die Macht des Feldherrn darzuthun und uns begreiflich zu machen, wie daraus, ja im Grunde nur daraus die Verſchuldung des Mannes an ſeinem Kaiſer möglich wurde.
Es iſt eine traurige Zeit, innerhalb deren„das Lager“ ſich bewegt. Dummpfiffige Bauern ſind der allgemeinen Entſittlichung erlegen und denken nun in ihrer Arbeitsſcheu„löffelweiſe“ durch Betrug ſich das wieder zu erwerben, was man ihnen ſcheffelweiſe und gewaltſam genommen. Roh in Ausdrücken, abergläubiſch und dabei feige und kriechend haben ſie ſich dahineingefunden ſtatt der Arbeit das falſche Spiel als Erwerbsquelle anzuſehen.
Nicht viel beſſer ſieht es mit den Bürgersleuten aus. Entweder ſchauen ſie in verzagter Angſt und unthätig dem übermüthigen Treiben zu, beklagen allen Falls zum Geſpötte der Soldaten, daß Herkunft und Vermögen, Laden und Mützenfabrik, Pathe und Großmutter nichts mehr gelten oder aber— und das ſind die jüngeren und lebensfriſchen Elemente— vergeſſen auch ſie Handel und Gewerbe und ſtürzen ſich in das luſtige, abenteuerliche Getreibe hinein, um nach kurzer Zeit eben ſo entſchieden den Widerſachern Wallenſtein's entgegen zu treten, wie die andern es dem läſternden Kapuziner thun.
Und warum auch nicht? Iſt es doch unter Wallenſtein's Einfluſſe allein der Soldat, der jetzt noch gilt. Das Heer repräſentirt ſchlechthin die„würdige Menge.“ Wer noch etwas auf ſich gibt, muß ſich anſchließen. Darum vereinigen ſich auch im Lager alle möglichen Elemente, die man nicht grade dort erwartet. Alte und junge Weiber, die in den leichten, militairiſchen Ton ſich längſt hineingefunden; Schulmeiſter und Schuljungen, wobei die letzteren durch den erſteren gradezu eingefangen und dann ſoldatiſch werden müſſen u. ſ. w. u. ſ. w.; ſie alle ſind Theile Eines großen Ganzen und fühlen ſich gern als ſolche.
Und das iſt es, was die bunte Menge ſo lebendig und bedeutſam macht, daß dieſe Einheit alle zuſam⸗ menhält. Die geſammte Schar, ſo verſchieden ſie an Stand, Herkunft, Heimat und Geſinnung iſt, zeigt ſich doch


