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gradezu nach Italien vertrieben und er, der Herzog, Herr in Böhmen werden. Und zweitens der maßloſe Ehrgeiz des letzteren. Nun iſt freilich äußerlich eine Verſtändigung getroffen, ja das Entgegenkommen des Kaiſers mildert Wallenſtein's Erbitterung. Aber ſo gewiß die alte Kränkung nie ganz verſchmerzt wurde, ſo gewiß ſorgt Wallenſtein bei der Uebernahme des Commandos für eine ſolche Stellung, daß in der Bruſt des Kaiſers das Gefühl der Demüthigung und Entfremdung zurückbleiben muß. Ferdinand muß alle bisherigen politiſchen Rathgeber entlaſſen; auch den geiſtlichen Einflüſſen ſoll er ſich entziehen. Wallenſtein dagegen wird Capo d'Armada der kaiſerlichen Armee. Politiſch gebietet er über die Armee faſt ausſchließlich; ſtrategiſch herrſcht er ſogar ganz allein. Er hat Strafe und Belohnung nach Gutdünken zu ertheilen; er nimmt, was ſeine Armee braucht und verſchenkt nach Belieben. Ja, das Recht der Verhandlung mit dem Feinde wird ſogar ausdrücklich zugeſtanden und ſo vereinigt er als Feldherr und Staatsmann ſoviel Gewalten, daß ein Mißbrauch derſelben für den ehrgeizigen und erbitterten Mann nur zu leicht zu beſorgen iſt. Ob der Kaiſer ſtets redlicher dachte?
12. Schon unbedeutende Ereigniſſe konnten den Anlaß zu derartigen Handlungen bieten. Da ſtirbt Guſtav Adolf und alle Machtverhältniſſe ändern ſich. Schwedens Uebergewicht iſt gebrochen und dem Wallenſtein damit eine endloſe, nur auf des Kaiſers Vortheil berechnete Ausdehnung des Krieges wahrſcheinlich. Statt deſſen wünſcht er, der allmählich älter geworden und außerdem eine feſte Geſundheit nicht mehr beſitzt, einen Frieden, der ihm die territorialen Verſprechungen ſichert. Die Oberpfalz, Baden, Durlach, vielleicht auch Würtemberg mögen Erſatz bieten für das verlorene Mecklenburg.
13. Das ſind Ziele, wie ſie mit mäßigen Anſprüchen des Kaiſers allen Falls vereinbar ſcheinen. Auch die Schweden ſollen wenigſtens abgefunden werden und der alte Religionsfrieden gelten. Die desfallſigen Verhandlungen in der Stille einzuleiten, hat der Herzog die Befugniß. Aber ſolche Projekte ſind ſchwerlich im Intereſſe der Liga. Sie, die beim Kaiſer noch immer durch den Vertreter des Papſtes und den Beichtvater Lamormain ſich geltend machen kann, bekommt in ihren bis dahin vorſichtigen Bemühungen einen eifrigen, ja leidenſchaftlichen Bundesgenoſſen in dem ſpaniſchen Geſandten. Längſt ſchon hatte Spanien Subſidien an Oeſtreich gezahlt; jetzt ſteigert es ſeine Anerbietungen, gleichzeitig aber auch ſeine Anſprüche den Frieden mitzubeſchließen. Aehnlich arbeitet bei Wallenſtein Spaniens alter Widerſacher, Frankreich, und Richelieu geht ſo weit Wallenſtein gradezu zur Aneignung Böhmens mit Hülfe franzöſiſcher Unterſtützung aufzufordern. Die ſo ſich entwickelnden Beſtrebungen müſſen das Verhältniß zwiſchen Wallenſtein und Ferdinand zur Löſung bringen.
14. Man würde Wallenſtein Unrecht thun, wollte man ein unmittelbares Eingahen auf die franzöſiſchen Anträge ihm nachſagen. Gleichzeitig aber will er auch nicht das Heft aus der Hand geben und ſo ſucht er zur Beherrſchung der Stellung allerdings zu einem innigern Verhältniß zu den proteſtantiſchen Kurfürſten, vor allen zu Sachſen zu gelangen. Solche Verhandlungen führen natürlich leicht weiter, als anfangs beabſichtigt worden; namentlich einigt man ſich über die Selbſtändigkeit, theilweiſe auch Wiederherſtellung der evangeliſchen Kirche, Ausſchließung der Fremden und Entſchädigung für Wallenſtein und die Seinen.
15. Während der Herzog dieſe Ziele erſtrebt und zwar ſo offenkundig, daß ſchon 1633 alle Welt davon redet, verdoppelt ſich auch die Action der Gegner. Die auf das Eifrigſte mit Sachſen durch Arnim gepflogenen Unterhandlungen, die Bearbeitung der Wallenſtein'ſchen Truppen, vor allen der im Januar 1634 ausgeſtellte Revers der Oberſten, wodurch eine abermalige Abſetzung Wallenſtein's unmöglich gemacht werden ſoll, dringen Ferdinand zu einer offenen, kühnen That. Entſcheidend iſt für des Kaiſers Entſchließung, daß der ſpaniſche Geſandte Mittheilung machen kann von Richelieu's Anerbietungen. Der Gedanke, daß ein öſtreichiſches Erbland, ein Königreich, mit Frankreichs Hülfe dem Kaiſer geraubt werden ſoll, wird von verhängnißvoller Bedeutung für das Schickſal des Herzogs. Die höheren, dabei intereſſirten Offiziere, wie Aldringer, Piccolomini, Gallas, werden auf die Seite des Kaiſers gezogen. Still aber emſig gewinnt man dann das Heer. Auch Prag geht dem Herzog, der ſich nach der Grenze rettet, wider Vermuthen verloren und noch bevor er den Abſchluß der Verhandlungen mit dem Schweden zu Stande bringt, erreicht ihn der Todesſtoß ſeiner Mörder.—
Vergegenwärtigen wir uns dieſen gewaltigen Stoff, den Schiller zur dramatiſchen Bearbeitung ſich gewählt hatte, ſo begreifen wir, daß die Maſſe allein ſchon hinreichte, erdrückend dem Dichter zu werden. Es genügte alſo nicht, daß dem Helden auch edlere Seiten abgewonnen wurden, die uns aus der politiſch⸗militairiſchen Thätigkeit deſſelben nicht leicht entgegentreten, es mußte auch quantitativ das Material bezwungen werden und dazu wählte Schiller die bei den Alten bewährte Form der Trilogie, die ein Zerlegen der geſammten Handlung in drei Theile ermöglichte. Dabei wurde— entgegengeſetzt dem Brauche der Alten— das erheiternde Spiel vorangeſtellt, das! in anſprechender, leichter Weiſe das Intereſſe für den tragiſchen Vorgang gewinnt. Versmaß, Sprache, Gedanken


