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mitgerechnet— durch das Syſtem der Contribution ernährt wird, begründet er die Eiferſucht der Ligiſten und die
Unzufriedenheit der Reichsſtände, auf deren Koſten das Heer unterhalten werden ſoll. So ſchiebt ſich Wallenſtein als eine dritte Macht neben Kaiſer und Reich zwiſchen dieſe hinein. Behaupten und ausdehnen kann er ſeine Geltung nur auf Koſten der beiden andern.
6. Auch weiter iſt das Glück dem Herzog günſtig. Im niederſächſiſch⸗däniſchen Kriege ſteigt ſein Ruhm auf den Gipfel. Zwei Gegner, der tapfere Halberſtädter und der ritterliche Mansfelder werden durch den Tod beſeitigt(1626). Im Jahre 1627 iſt jeder thatſächliche Widerſtand gegen den Kaiſer gebrochen; für Habsburg und durch Wallenſtein ſcheint ſich eine glänzende Zukunft vorzubereiten. Aber immer höher ſteckt der ehrgeizige Feldherr die Ziele. An der Oſtſee ſoll eine baltiſche Flotte entſtehen; er, der dieſelbe commandiren ſoll, erhält außerdem für ſeine Vorſchüſſe Mecklenburg. Dabei denkt er ſelbſt daran für den Kaiſer die Türken zu bezwingen, demſelben eine herrſchende Stellung in Europa zu verſchaffen und gleichzeitig für die eigene Perſon mindeſtens eine fürſtliche Macht zu erwerben.
7. Bis jetzt iſt das Glück ihm treu und an der Seite ſeines Fürſten hat Wallenſtein eine ähnlich gebietende Stellung, wie gleichzeitig in Frankreich Richelieu. Aber während dieſer der monarchiſch⸗katholiſchen Sache vor la Rochelle zum Siege verhilft und die ſtrafſte Einheit des Landes ſichert, erliſcht im ſelben Jahre Wallenſtein's Glücksſtern vor Stralſund. Und nun ſoll der faſt geſchlagene Feldherr, der nach dem Lübecker Frieden in den ruhigen Beſitz von Mecklenburg tritt, mit friedlichen Mitteln die Stellung behaupten, die er im Kriege, geſtützt auf ſeine Soldaten, dem geſammten Reiche gewiſſer Maßen abgetrotzt hatte!
8. Unter dieſen Umſtänden iſt es für Wallenſtein entſcheidend, wie zugethan der Kaiſer ihm bleibt. Eine Differenz, wenn auch erſt im Keime, läßt ſich bald in der Beurtheilung der religiöſen Fragen entdecken. Der Kaiſer, der durch Erziehung und Erfolge hier unnachgiebig iſt, zeigt ſich weit entſchiedener als der Feldherr. Dabei mochte einige Eiferſucht gegen Wallenſtein mit in's Spiel kommen; kurz gegen den Rath des letzteren wird das Reſtitutions⸗ edict gegeben und theilweiſe auch durchgeführt. Nun wächſt der Einfluß der Ligiſten, namentlich der geiſtlichen Kurfürſten und des Baiernherzogs, und der ſeit zwei Jahren bereits verrathene Unmuth über Wallenſtein's gewaltſames und eigenwilliges Verfahren wird jetzt ziemlich deutlich kundgegeben.
9. Die Gelegenheit zum gemeinſamen Vorgehen gegen den Fürſten findet ſich bald, nämlich auf dem Regensburger Reichstage. Der Kaiſer will dem Könige von Ungarn die Nachfolge ſichern; nun können die Kurfürſten endlich die Hebel anſetzen. Dem Wallenſtein wird alles genommen, was man nur nehmen kann, damit der Gewaltige auch nicht einmal die Möglichkeit zur Rache behält. Er wird ſeiner Feldherrnwürde entſetzt, Mecklenburg geht verloren, der Kaiſer wird ihm entfremdet und voll Erbitterung geht der gekränkte Mann nach Gitſchin, um dem undankbaren Oeſtreich nie wieder zu dienen.
10. Da bekommt plötzlich die äußere Politik eine neue Wendung, indem die Schweden ſeit 1629 in die deutſchen Verhältniſſe einzugreifen beginnen. Auch Frankreich iſt bereit daſſelbe zu thun. Beide Mächte waren durch Feſtungskämpfe, deren Aehnlichkeit ſchon berührt wurde, zu ihrem Verfahren veranlaßt. Schweden iſt ermuthigt durch den Widerſtand der Stadt Stralſund, Frankreich umgekehrt durch die Bezwingung der letzten ſelbſtändigen proteſtantiſchen Gewalt in la Rochelle. Das ſchwediſch⸗franzöſiſche Eingreifen hat anderſeits eine noch innigere Annäherung zwiſchen Oeſtreich und Spanien zur Folge. So treten größere Gruppen als je zuvor einander gegenüber. Die geſteigerte Gefahr zwingt den Kaiſer zu einer unbedingten Ausnutzung der noch verfügbaren Kräfte. Nachdem die Liga bei Breitenfeld entſcheidend bezwungen und geſprengt, die mächtigeren proteſtantiſchen Stände aber auf die Seite der Schweden getreten, muß der Kaiſer Hülfe ſuchen, wo dieſelbe allein noch zu finden. Nun, in der Noth ruft man den Wallenſtein wieder.
11. Aus dieſer neuen, nicht auf Vertrauen beruhenden Verſtändigung muß nur zu natürlich der verhängnißvolle Conflict ſich entwickeln. Wallenſtein läßt ſich die ausgedehnteſten Vollmachten geben und dazu ſo außerordentliche Verſprechungen, daß der Kaiſer ſie kaum halten kann. Somit ergibt ſich für Wallenſtein, der perſönlich bei dem neuen Abkommen gewinnen will, die Verſuchung einen Rückhalt für ſeine Anſprüche bei den Leuten zu ſuchen, die für die kaiſerliche Sache ſich nicht intereſſiren, d. h. bei den Feinden. Daher beginnen ſo zeitig die zweideutigen Unterhandlungen mit den Schweden; ſteht es doch feſt, daß dieſelben ſchon im Sommer 1631 mit Guſtav Adolf betrieben wurden. Es ſcheint faſt, daß bei dem zweiten Pact zwiſchen Kaiſer und Feldherr keine Partei an eine ehrliche Ausführung gedacht; vielmehr war es Sache der Gelegenheit, wer den nächſten Vortheil daraus ziehe. Wallenſtein that in dieſem Sinne den erſten Schritt.
Dies führt uns auf die letzten Motive ſeiner Handlungen zurück. Zwei Gefühle ſind es unverkennbar, die bis zur Wiedereinſetzung den Herzog beherrſchen. Erſtens das der Rachgier an ‚dieſem Ferdinand“; derſelbe ſoll


