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Partie mittelalterlich⸗romantiſcher Wildniß das Wort reden ſollte, da laſſe man auch hier ruhig„die Todten ihre Todten begraben!“ Das Reſultat jeder un⸗ befangenen Prüfung der Verhältniſſe muß gegen die Zünfte ausfallen. Oder leiſtet die Vorſchrift einer beſtimmten Lehr— und Geſellenzeit für den angehenden Handwerker etwa wirklich eine Bürgſchaft dafür, daß er jene Zeit auch wirklich gut zum Lernen benutzt habe? Und wie reimt ſich überhaupt mit der himmel⸗ weiten Verſchiedenheit und bei der mannigfaltigen Abſtufung der menſchlichen Anlagen und Kräfte eine für alle d. h. für den Fähigſten wie für den Unfä⸗ higſten gleich bindende Ausdehnung ihrer Lehrzeit? Oder ſind die ſchönen Proben gewonnener Geſchicklichkeit, die wir bei Geſellen- und Meiſterſtücken in der Prü— fung abgelegt ſehen, dem Publikum etwa ein Beleg, daß der Geprüfte auch ſeine Kunden mit derſelben Sorgfalt und Geſchicklichkeit bedienen werde, wie ſeine Herren Prüfungscommiſſäre bei Anfertigung ſeiner Probearbeit? Wo liegt überhaupt in der gewonnenen techniſchen Tüchtigkeit, auch in der höchſten, nur ein Beweis dafür, daß der geſchickte Meiſter auch die Fähigkeit beſitze, ein Ge⸗ ſchäft zu begründen und nach den Regeln der einfachſten Buchhaltung zu leiten? Und wo bleibt die Werthſchätzung der übrigen, insbeſondere der von Geburt, Ta⸗ lent und Geſchicklichkeit völlig unabhängigen Charakter-Eigenſchaften des neuen Meiſters, die biedere Geſinnung, die ſolide Lebensweiſe, das Streben nach Ver— vollkommnung und alle ſonſtigen mehr moraliſchen Garantien, auf die das Publi⸗ kum, wenn es vor Täuſchungen bewahrt bleiben will, den allerhöchſten Werth ſetzen muß? Und wie oft, wenn man den tagtäglich weiter ſchreitenden Ent⸗ wickelungen des techniſchen Betriebs und dem ewig wechſelnden und wandelbaren Bedürfniß der heutigen Menſchen volle gebührende Rechnung tragen wollte, wie oft müßte das Maß oder die Form an dem Prüfungsgegenſtand oder beides zu⸗ gleich abgeändert werden, um den keinen Augenblick ſtille ſtehenden Anſprüchen und Bedürfniſſen der Zeit zu entſprechen?
Oder ſoll die Welt, der Aufrechthaltung alter, unhaltbar gewordener Zu⸗ ſtände, überflüſſig gewordener Gewerbe zu Liebe etwa auf eine möglichſt wohlfeile Befriedigung ihrer Bedürfniſſe verzichten? Soll die Maſchinenkraft in ihren weltumgeſtaltenden Wirkungen gehemmt und irgend eine willkürliche Grenze ihr geſteckt werden? Wer könnte ſolche Thorheit ernſtlich zu befürworten wagen? Wir begreifen das Geſchrei der Copiſten gegen die Liniirmaſchine, der Poſtillone und Hauderer gegen die Dampfwagen, der Lichterzieher gegen die Gasfabrik; wir bedauern aus tiefſter Seele das Elend der armen Nagelſchmiede im Uſinger Land, deren hundert einen ganzen Tag in Kohlenglut ſich abmatten und am Abend doch nicht mehr und nicht beſſere Nägel zurecht gebracht haben als eine von vier geſchickten Knabenhänden geleitete Maſchine. Aber welche Macht auf Erden wollte ſich vermeſſen, dieſe Verhältniſſe abzuändern? Ja wäre eine Verzichtlei⸗ ſtung auf Maſchinenarbeit nicht ſchließlich der Ruin des Handwerks ſelber, da


