Aufsatz 
Über gewerbliche Genossenschaften
Entstehung
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und das geſteigerte Anſehen, das die Zünfte genoſſen, zu allerlei ſelbſtgefälligen Ausſchreitungen, zu Uebermuth und Unmäßigkeit. Aeußerliches Gepränge und bald ins Maßloſe ausſchweifender Lurus verdrängte die frühere Einfachheit und ſtrengere Sitte; unnützer Putz und tolle Verſchwendung bei allerlei Gelagen und Feſten, mit denen eine Zunft die andere gern überbieten mochte, ruinirte die Vermögensverhältniſſe der Meiſter und von der Ueppigkeit und Völlerei, der ſich unausbleiblich demnächſt auch die Geſellen glaubten hingeben zu dürfen, iſt der bereits ſeit dem Jahr 1571 verrufene, aber heute noch nicht ganz verſchwundene blaue Fraßmontag als ein trauriges Gedenkzeichen übrig geblieben. Das 15. und 16. Jahrhundert bezeichnet auch in dieſen Beziehungen einen Höhepunkt der Entwickelung deutſcher Volkskraft, dem wir die Wendung zum Verfall bald werden folgen ſehen.

Was endlich die rein handwerksmäßige Seite des Zunftlebens und ihren Einfluß auf die Entwickelung des Gewerbebetriebs der Zunftgenoſſen anlangt, ſo tritt auch hier eine ganz entſchiedene Lichtſeite der Betrachtung entgegen. Die Zunfteinrichtungen wirkten nämlich unverkennbar auf eine tüchtige und gediegene Ausbildung hin. Nur wer das Gewerbe vorſchriftsmäßig erlernt und auf vorſchriftsmäßige Weiſe die Meiſterſchaft erlangt hatte, konnte zum Be⸗ triebe zugelaſſen werden. Theils in Folge der Lehr⸗ und Wanderzeit, welche damals um ſo nöthiger war, als bei dem Mangel ſonſtiger Schul- und Bildungs⸗ mittel nur auf dieſe Weiſe eine vollſtändige Kenntniß des Gewerbes und ſeiner Hilfsmittel erlangt werden konnte, theils in Folge der Beſchränkung auf einzelne Arbeitszweige konnten die ſelbſtſtändigen Handwerker auch wirklich Meiſter in ihrem Fache ſein und meiſterhafte Arbeit liefern. Da die Concurrenz ſehr ver⸗ mindert, die Selbſtſtändigmachung ſehr erſchwert war, ſo konnte dies nur einen größeren Wohlſtand der einzelnen Meiſter zur Folge haben, der ſie befähigte, gute Geſellen zu halten, gute Werkzeuge anzuſchaffen und unter den vorhandenen Vorräthen von Rohſtoffen jedesmal die zweckmäßigſte Auswahl zu treffen. Man kann die Gediegenheit und Formenſchönheit alter Geräthſchaften, Waffen, Möbel, Gewebe und Stoffe nicht bewundern, ohne der Zunftverfaſſung, die allein eine ſo treue Ueberlieferung und ſo feſte Handhabung aller Handwerksvortheile von einer Generation auf die andere ermöglichte, wenigſtens im Stillen eine Anerkennung zu zollen.

brip gehangen ꝛc. Gegebin da man zalthe nach goddes geburthe duſen Jar dru hundert Jar In deme ſieben und funzegiſtme Jare uf den erſten Sundag in der vaſten als man ſingit Invocavit me.

(Die drei Siegel der Gewandmacher, Schuhm. und Metzger hängen gut erhalten an.)