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neben den eigentlichen Kirchen-Fahnen, aufgeſtellt. So wenig nun aus dieſen mehr äußerlichen Dingen auf einen erheblichen inneren Einfluß religiös⸗ſittlicher Art bei den Zunftgenoſſen geſchloſſen werden darf— denn vor dem Köhlerglau⸗ ben an einen gewiſſen Unſchuldszuſtand der Gewerbegenoſſen in älterer Zeit, den die Geſchichte des mittelalterlichen Städtelebens auf jeder Seite Lügen ſtraft, braucht wohl ernſtlich nicht mehr gewarnt zu werden—: ſo iſt doch unverkenn⸗ bar, daß der ſtreng abgeſchloſſene Korporationsgeiſt, das genoſſenſchaftliche Leben und die Aufmerkſamkeit des Ganzen auf das ehrenhafte Verhalten jedes einzelnen Mitgliedes einen wohlthuenden regulirenden Einfluß üben mußte und geübt hat.
Das alte Zunftleben bot außerdem noch manche ähnliche Vortheile mehr ſocialer Art, die wir nicht ganz gering anſchlagen dürfen. Die gemeinſamen Bedürfniſſe führten die Genoſſen perſönlich einander näher; ein eigener Vorſtand, von ihnen eingeſetzt, beſorgte die gemeinſamen Geſchäfte; in einem eigenen Hauſe hielten ſie ihre Morgenſprachen; ſie beſaßen aus Beiträgen erworbenes eigenes Korporations⸗ vermögen und die erhobenen Gelder wurden nebſt den Urkunden in einer gemeinſchaft⸗ lichen Lade aufbewahrt. Hierzu traten mancherlei Einrichtungen zur Ünterſtützuug wandernder Geſellen, zur Fürſorge für die Kranken, für Wittwen und Waiſen u. d. gl. Die Oeffentlichkeit aller wichtigeren Verhandlungen, die Selbſtverwaltung aller Ange⸗ legenheiten weckte manche Talente und führte eine Sicherheit und Gewandtheit im öffentlichen Auftreten der Bürger herbei, die wir heut zu Tage leider! faſt nirgends mehr wiederfinden. Dieſe Erziehung für das öffentliche Leben, dieſes Vertrauen jedes Einzelnen in die eigene Kraft führt uns zu der politiſchen Seite der Zunftverfaſſung.
Wie das ewige Fehdeweſen nnd die Unſicherheit der Land- und Waſſer⸗ ſtraßen im mittleren Zeitalter die Städte ſich zu bewaffnen nöthigten, wie das Bedürfniß des Schutzes ihres Gemeinweſens, des Schutzes ihres auswärtigen Handels jene Bündniſſe gegen den gemeinſamen Feind ins Leben rief, die als ſchwäbiſcher, rheiniſcher, hanſiſcher Städtebund ihre Rolle in der Geſchichte ſpielen, iſt bekannt. Was aber konnte geeigneter ſein, die kriegeriſche Einwohnerſchaft zu ordnen, als die bereits beſtehenden oder in der Bildung begriffenen, durch ihr Handwerk verbundenen Körperſchaften der Zünfte? Sie bildeten die natürliche Grundlage der Eintheilung der ſtädtiſchen Heere ³); damit wuchs ihr Anſehen und
3) Es iſt mir nur eine bildliche Darſtellung aus älterer Zeit in unſerm Lande bekannt, wo die Zünfte in offenem Kampf auftreten, es iſt dies das große aufdem Schloß zu Cronberg befindliche alte Oel⸗Gemälde, welches die Schlacht bei Eſchborn darſtellt, in der die Kraft der ſtreitbaren Zünfte von Frankfurt am 12. Mai 1389 der Tapferkeit ihrer ritterlichen Gegner, der Herrn von Cronberg und des Pfalzgrafen am Rhein, erlag. Das vordere Fähnlein, mit dem ſchwarzen Reichsadler, führt der Schulteiß der Stadt; dicht dahinter


