Aufsatz 
Über gewerbliche Genossenschaften
Entstehung
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einen Scharfrichter oder Schindersknecht, konnte nie zur Erlernung eines ehrſa⸗ men Handwerks aufgedungen werden. Daraus folgte dann weiter, daß ein Zunftgenoß nur eine ehrbare, ehelich geborene Perſon heirathen durfte und daß die ſittliche Zucht gegen Lehrlinge und Geſellen überhaupt mit aller Strenge auf⸗ recht erhalten wurde. Der Meiſter hielt ſeinen Lehrjungen zum Kirchenbeſuch an; Geſellen, die der Liederlichkeit ſich hingaben, wurden nach den Zunftartikeln aus Herberge und Stadt verwieſen; die Meiſters-Wittwe, dieihren Wittwen⸗ ſtuhl verrückte, hatte den Fortbetrieb des Handwerks und den Anſpruch auf den beſten Geſellen und die Unterſtützung der Genoſſenſchaft verwirkt. Die Weißger⸗ ber pflegten ihre Verſammlungen mit der Aufforderung zu beginnen, daß jeder, der gegen einen Mitmeiſter etwas auf dem Herzen habe, es frei auf den Tiſch lege. So wurden Privathändel erſt gerichtet, ehe man die allgemeinen Zunft⸗ angelegenheiten berieth.

Nicht minder hing das Handwerk in ſeinen Innungen mit dem religiö⸗ ſen Leben einer Stadt aufs innigſte zuſammen. Jede Innung hatte ihren

welches wir vnſer Handtwerk zu mahl nit troiben können, weil ſie deswegen, nach deme ſelbige bey vnß alß befleckten gearbeitet, ahn andern orthen zur ſtraff gezogen, welches dann des Handwerks euſerſtes Verderben, wie vnß deßen ein clares exempel vorzuzeigen gebüren will, dann einer auß vnßers Meiſters Söhnen, welcher vnſer Handwerk ehrlich gelernet, ſich vor weniger Zeit zu Frankfurt, bei einem Duchbereiter, ſelbige Kunſt auch zu lernen, verdinget, wiewohl nun ſelbigem ein ehrlich testimonium von Herrn Doctore Netheno communiciret worden, iſt doch ſolches nit güldig genug geweſſen, ſondern hat auch von einem Ehrbaren Rath alhir zu Herborn, wegen ſeiner ehrlichen geburt in briff vnd Si⸗ gelen ſolches vorzeigen müſſen, welche ehr vndt gunſt dann dieſem des Kühirten Sohn, wegen ſeines Vatters miſſethat halben, nit Kann wiederfahren, ob er wohl meinet, auch ſchreibet, weil ſein ſohn nach dem Dibſtahl geboren ſeye, ſo ſeye derſelbe von dem ſelben fleken frey, aber deswegen iſt er deſto verwerfflicher, weil der ſohn nit vor ſondern nach dem Dibſtahl geboren wann er dero Zeit were geboren worden, noch wohl vor ehrlich were zu halten geweſſen, dergleichen exempel auch ahn andern orthen mehr vorgangen, daß der ſohn welcher nach des Vatters miſſethat gezeuget worden, vor gantz vnehrlich erkennet worden vndt iſt diß behelffen dem Kühirten ein ſehr geringer vndt leichter Dekmantel. Deßwegen ſampt vndt ſonders, alle nachgeſetzte Zünffte, ſo für Ew. Fürſtl. Durchl. deßwegen underthänigſt erſcheinen, vnderthänigſt bitten, dieſelbe geruhen gnädigſt zu befehlen, daß wir nit genötiget werden, wegen vor erwehnten ſehr erheblichen urſachen, dieſen vnützen Knaben vffzudingen, ſondern damit wir dieſelben weiter nit beunruhigen dörffen, vnß bey denen vnderſchiedenen Fürſtl. dekreten, welche gar reifflich erwogen worden, genedigſt zu maniteniren vnd Hand zu haben, weil dann diß vnſer vnderthänigſtes ſuchen, ſehr er⸗ heblich, vndt nit hat ſollen vnderlaſen werden. Alß erwarten wir in vnderthänigſter gnä⸗

digſter erhörung. Ew. Fürſtl. Durchl. vnderthänigſt gehorſame

Samptliche Zunfftgenoſſen, der wüllenweber, beker, Schumacher, Schneider vnd Schlöſſer. In Herborn.