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gungen.„Das Handwerk,“ hieß es,„muß ſo rein ſein, als hätten es die Tauben zuſammengeleſen.“ Wer nach den damaligen Begriffen ſocialer Ehre als unrein galt, wurde unbarmherzig fern gehalten. Wer einen Verbrecher zum Va⸗ ter hatte ¹), oder einen Barbier, einen Todtengräber, Gerichtsbüttel oder gar
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Zum Beleg, mit welcher Hartnäckigkeit das Handwerk gegen die Zulaſſung von Perſonen aus übelbeleumdeten Familien ſich wehrte, theilen wir die nachſtehende Bittſchrift der Zunftgenoſſen in Herborn an die Fürſtl. Oraniſche Landes⸗Regirung, vom 17. Novemb. 1673, hier wörtlich mit. Sie lautet: Durchleuchtigſter Fürſt, Genedigſter Fürſt und Herr. Daß Ew. Fürſtliche Durchlaucht in genaden ſo weit zufriden, daß vnſers Kühirten Sohn, von onß alß dem wöllen Handwerk, ſelbiges zu lernen vfgedinget werde, Kommet daher, weil ſelbiger Ew. Fürſtl. Durchlaucht vndt dero Fürſtl. Cantzley, nit mit wahr⸗ heits grundt berichtet, vnd wirdt gar nötig ſein, daß wir vnſere erhebliche Vrſachen, waß vndt warumb wir vnß deßen höchlich beſchweret finden Deroſelben underthänigſt vor vnd anbringend. Dann erſtlich geſtehet Ja der Kühirt ſelbſten in ſeiner übergebenen ſchrifft, daß er alß derſelbe noch ein ſcheffer geweßen, einige ſchaffe entwendet, welches dann eben die Vrſach, warumb wir ſeinem Sohn daß Vffdingen verweigeren ſollen, ſintemahl es noch nicht vergeſſen, er auch wie erwehnet, Kann ſolches nicht leugnen, daß er bey nächt⸗ licher weil, in vnderſchiedenen Dorfen in verſchloſſene ſtälle heimlich eingebrochen, vndt auch ſeinen eignen blutsfreunden, ſo vil ſchaffe geſtohlen, daß er nit allein gefenglich eingezogen, ſondern auch wohl, wo ihme vf viele vorbitt nit were eine hohe genade erwißen worden, er den ſtrick erreichet. Voreins.
Vndt zum Andern will er genannter Kühirt ſeine böße Sache ahn ſeinem Knaben be⸗ ſchönen vnd gutmachen, daß diß Vnſer wichtiges Verweigern, ſeye Gotteswort zu wider, daß der Sohn des Vatters miſſethat ſoll tragen, Hierauß erhellet, daß er daß zweyte gebot in den Zehen gebotten nit verſtehet.
Undt zum triten, daß es wieder den Zwek aller Handwerker lauffe, da doch alle und Jede Zunfft in Herborn, von welchen auch deswegen von Jederer Zunfft einige, dem bößen beginnen zu wider ſprechen, ſich Perſöhnlich neben vnß für Ew. Fürſtl. Durchlaucht präſentiren, damit diß und dergleichen Vnheil, hinfüro bey anderen Zünfften, nicht auch möge einreißen, vndt alßo Verunreiniget werden, Dann wann ſolcher vnehrlicher leuth Kinder, ſolten zu ehrlichen Zünfften eingelaſen werden, würde mancher bößer bub ſich daruff ſteiffen, denkente, er ſtehle, raube, morde, oder waß er dergleichen böße thaten verübe, achte er ſolches Zumahl nit, wann er nur daß leben darvon bringe, ſeine Kinder werden deßen nit entgelten, vndt Können dannen hero ſolche ehrliche Zünffte, durch ſolche vnd dergleichen vnordnung dergeſtalt beſchmitzet vndt veronreiniget werden, daß ſolcher Vn⸗ flat nimmermehr abzuwaſchen; ſondern wir, die wir vnſer brot außerhalb Ihro Fürſtl. Durchl. Landen, vf vielen markten vnd orthen, da dann viele Zünfftige meiſtere auch hin⸗ kommen mehrentheils ſuchen müſſen, werden erfahren, wann ſolches vngereimbtes, vndt wieder alle Churbriff vndt ordtnung lauffentes Vornehmen, wieder Verhoffen, ſollt dieſem Kühirten gelingen, daß wir allenthalben vffgetrieben, vndt bey ſelbigen feyl zu halten, vnß verbotten werde, vndt würde alßo durch des einen vnützen Dibs Sohn eine gantze bürger⸗ ſchafft verſchimpffet, vndt wohl in groß vnheil geſetzet, Ja weil vnſere Söhne, vndt ande⸗ rer ehrlichen leuth Kinder, welche diß Handwerk gelernet, vermög vnſeres Churbriffs ettlich Jahr wanderen müſſen, daß ſelbige, wo ſie bey vflag oder ehrliche geſellen gelangen, fortge⸗ trieben, vndt zu Keiner arbeit angenommen werden, auch würde daß frembt geſinde ohne


