Aufsatz 
Die beiden Bildungswege unserer Zeit, und ihre Vermittelung / von Dr. Rossel, Conrector
Entstehung
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zahl aufnimmt und fortan neben und mit der lateiniſchen als Centralpunkt ſeiner Thätigkeit durch den ganzen Gymnaſiallehrkurſus hindurch hervortreten läßt, ſo ſtellt das Realgymnaſium dafür das Franzöſiſche, theilweiſe auch das Engliſche in den Vordergrund und legt die dem Lateiniſchen abgenommenen Lehrſtunden der Mathematik, den Naturwiſſenſchaften und dem Zeichnen zu; jedes von beiden aber behandelt den ihm verbleibenden Lehrſtoff methodiſch, d. b. der Natur des jugend⸗ lichen Geiſtes und dem letzten Zwecke des Unterrichts gemäß. Mathematik z. B. ſell dem Gymnaſialſchüler als Muſter wiſſenſchaftlicher Schärfe und Beſtimmtheit und als weſentliche Einleitung in die philoſophiſchen Studien gelten; dagegen ſoll dem Realſchüler die Art und Weiſe, wie durch die Mathematik Natur und Kunſt beherrſcht und geregelt werden, es ſoll ihm die Anwendung dieſer Wiſſenſchaft in größerem Umfange vorgeführt werden. Je weiter aber die Bildung der Schüler vorſchreitet, deſto deutlicher werden in der Auswahl und Behandlungsart der Lehr⸗ ſtoffe die inneren Divergenzen beider Anſtalten zu Tage treten, die auf der einen Seite in den akademiſchen Fakultäten, auf der andern in den techniſchen Fachſchulen und Akademien ihren Abſchluß erreichen.

Die bei der Einrichtung höherer Schulanſtalten hierbei ſich aufdringenden Fragen: ob nun zur zweckdienlichen Verfolgung jener beiden Bildungsrichtungen für jede eine beſondere Anſtalt zu errichten ſei oder ob es genüge, den entſprechenden Klaſſen einer bereits beſtehenden Schule Parallelklaſſen zur Seite treten zu laſſen; welche Combinationen beider hinwiederum zur Erſparung von Lehrerkräften eintreten könnten; ob für die Realklaſſen eine beſondere Direction erforderlich ſei oder ob und unter welchen Umſtänden dieſelbe mit der Leitung der Gymnaſialklaſſen in einer Hand liegen dürfe: dieſe und ähnliche praktiſche Fragen müſſen hier um ſo mehr auf ſich beruhen bleiben, als deren Löſung zu ſehr theils von den Anſichten der Staats⸗ und Gemeindebehörden, theils von den örtlichen Bedürfniſſen und vor⸗ handenen Mitteln abhängt, als daß ſich eine allgemein gültige Norm darüber möchte aufſtellen laſſen. Vielmehr wird der Zweck obiger Auseinanderſetzung vollkommen erreicht ſein, wenn ſie dazu beitragen könnte, die in unſerer Zeit ſo zwieſpältig hervorgetretenen beiden Bildungswege in ihrer inneren Einheit und Vermittelungs⸗ fähigkeit erkennen zu laſſen, eine Erkenntniß, deren praktiſcher Werth einleuchtet. Sollen wir die aus unſern beſcheidenen Anſichten und Vorſchlägen ſich möglicher Weiſe ergebenden Vortheile zum Schluſſe noch einmal kurz herausheben und zuſam⸗ menfaſſen, ſo wären es etwa folgende:

1) Der höhere Schulunterricht beiderlei Art bleibt ſeiner Beſtimmung möglichſt getreu, eine allgemein menſchliche Bildung zu geben, jedoch ſo, daß er dem abgehenden Zöglinge die für die ſpecielle Berufsbildung nothwendigen wiſſenſchaftlichen Elemente mittheilt.

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