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Durch Aufnahme des Unterrichts in der lateiniſchen Sprache, aus der die Sprachen der bedeutendſten Völker der Neuzeit wie aus einem gemein⸗ ſamen Kerne hervorgewachſen ſind, gewinnt die Gegenwart erſt ihre Be⸗ gründung und die heutigen Zuſtände des Staats und der Wiſſenſchaft ihr wahres Verſtändniß durch Anknüpfung an das klaſſiſche Alterthum. Sie enthält einestheils die Baſis für den gymnaſialen Bildungsweg und erhebt anderntheils die realiſtiſche Richtung über den niederen, profeſſionellen Ge⸗ ſichtspunkt.
Der Uebergang aus der vorbereitenden, gemeinſamen Stufe des höheren Schulunterrichtes in einen beſonderen Bildungsweg iſt nunmehr, nachdem das dreizehnte oder vierzehnte Lebensjahr erreicht und die vorherrſchende Be⸗ fähigung und Neigung des jugendlichen Geiſtes kennbarer geworden und der künftige Beruf bei dem Knaben ſelbſt mehr zum klaren Bewußtſein gelangt iſt, faſt ganz unbedenklich zu bewerkſtelligen und ein etwaiger Mißgriff, wornach der gewählte Bildungsgang nach einem gewiſſen Zeitraum wieder aufgegeben und mit dem andern vertauſcht werden müßte, wäre in Betracht des gemeinſamen und durch alle Klaſſen fortlaufenden Bindemittels der lateiniſchen Sprache nicht von ſonderlichem Zeitverluſt oder ſonſtigem Nachtheile begleitet.
Indem der künftige Bürger neben dem dereinſtigen Gelehrten oder Beamten in denſelben Bahnen der Geiſtesbildung eine Reihe der ſchönſten und ergie⸗ bigſten Jahre hindurch fortgeführt wird, bereitet die Schule zwiſchen den verſchiedenen Berufsarten eine innere Verſtändigung vor, eine eigentliche, auf dem Grunde einer gemeinſamen Bildung beruhende innerliche Verſöhnung aller Volksklaſſen, die in einer Zeit, wo die Selbſtſucht der einzelnen Stände und Konfeſſionen an den geſunden Wurzeln des Staates gräbt, ſicherlich an der Zeit ſein wird. Hat dann die Schule durch den gemein⸗ ſchaftlichen Ausgangspunkt und die erſtrebte, möglichſt innere Verwandtſchaft beider Bildungswege den Grund zu einer gemeinſamen Forthildung des heranwachſenden Geſchlechtes gelegt, und ſomit dem erwachten Streben der Nation nach kräftiger Einheit und Selbſtſtändigkeit ihrerſeits Genüge geleiſtet, ſo darf ſie getroſt ein fröhliches Gedeihen ihrer Staaten hoffen, wenn es auch erſt einer künftigen, beſſeren Zeit vorbehalten bleiben ſollte, die goldenen Früchte derſelben zu ſchauen und zu pflücken!


