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Geographie.— Endlich, das Leben der Natur wird in ſeinen reinen Formen und Geſetzen aufgefaßt in den Wiſſenſchaften der Mathematik und Phyſik, denen von poſitiver Seite gegenüber die Naturbeſchreibung das Leben der Natur in der Mannichfaltigkeit ſeiner gegenwärtigen Formen entfaltet.
Dies wäre überhaupt das Gebiet allgemein menſchlicher Bildung, ſoweit ſolche Gegenſtand des höheren Schulunterrichtes ſein kann. Wie durch den erſten Kreis göttliches Leben in dem Menſchen erweckt werden ſoll, ſo dient der zweite, vorzugs⸗ weiſe durch die Sprache, den eigentlichen Charakter der Menſchheit, freies Geiſtes⸗ leben zu entwickeln. Denn die Sprache ſelbſt iſt Geiſt und mit ihr wird dem Geiſte gleichartiger Gehalt gegeben. Sieht nun die Schule darauf, daß der in der Sprache gegebene Gehalt ein echter, werthvoller ſei, und daß an den Formen der Sprache die natürlichen Formen des Geiſtes zum Bewußtſein kommen, ſo iſt klar, daß echt menſchliche, geiſtig freie Ausbildung durch nichts ſo wirkſam befördert werden kann, als durch die Sprache. Nehmen wir nun hierzu noch den dritten Kreis, den mathematiſchen, der eine neue, der Natur zugekehrte Seite des menſch⸗ lichen Geiſtes enthüllt, ſo haben wir damit diejenigen Gebiete menſchlicher Erkenntniß bezeichnet, die dem höheren Schulunterrichte ſeiner Beſtimmung nach weſentlich und unentbehrlich ſind.
II. Die beiden Bildungswege unſerer Zeit.
Ohne dieſe ſolcher Geſtalt feſtgeſtellte Beſtimmung des höheren Schulunter⸗ richtes zu gefährden, läßt es ſich übrigens denken, daß in den Bildungsanſtalten bei der Anordnung und Verbindung der einzelnen Fächer auf den künftigen Stand Rückſicht genommen und der Bildungsſtoff vornehmlich aus den Gebieten gewühlt werde, welche zugleich für die künftige Berufsbildung die zweckmäßigſte Grund⸗ lage abgeben. Die verſchiedenen Wirkungskreiſe der Menſchen aber ſcheinen ſich am natürlichſten in ſolche zu ſcheiden, deren Gegenſtand der Menſch und in ſolche, deren Gegenſtand die Natur mit ihren Produkten iſt; und auf dieſem Unterſchied beruht auch weſentlich der gerade in unſern Tagen immer klarer hervortretende Unterſchied des Gymnaſiums und der Realſchule. Während die letztere für diejenigen beſtimmt iſt, deren künftiger Beruf im Allgemeinen die Dienſtbarmachung der Natur und ihre Benützung für den Menſchen zum Zweck hat, ſoll das erſtere


