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Rande der vorderen Hälfte wenig gezähnt, seidenartig gewimpert. Der Blattstiel ist behaart und auch die Rippen sind es zuweilen auf der Unterseite. Die 6—9 Seitenrippen auf den Blatthälften divergiren dem Rande zu. Bei der Blutbuche ist die Oberseite des Blattes dunkel- grün und die Unterseite, besonders in den ersten Monaten, blutroth gefärbt. Der Schaft er- hebt sich in geschlossenem Bestande bis zu ansehnlicher Höhe astrein und verzweigt sich als- dann kuppelartig. Im freien Stande breitet die Buche ihre Aeste und Zweige wagrecht aus. Die Rinde ist glatt und von hellgrauer Farbe. Die kugelartigen Gebilde, welche man oft in der Rinde gewahrt, sind sog. Säumaugen, verkümmerte Zweige; man kann sie mit dem Stocke herausstossen. Gewöhnlich ist der Stamm walzenrund, zuweilen aber sieht er wie gedreht aus. An alten Buchenstämmen vorzüglich wachsen die Schwämme(Polyporus fomentarius L.), aus welchen der beste Zunder bereitet wird.
An der Landwehrschneise im Scheerwalde steht eine Buche, an welcher das untere Drittel des Stammes innen hohl und faul und die Längshälfte des Drittels abgebrochen ist. Unmittelbar über dem Bruche sendet der obere Stammtheil seitlich nach unten in den hohlen Stamm eine kräftige Wurzel, welche sich verzweigt und in dem faulen Theile des Stammes verbreitet.
Reine Bestände von Buchenwaldungen sind auch bei uns zu finden; ich erinnere z. B. an den Wald hinter Eberstadt, der Burg Frankenstein zu. Kein anderer heimischer Walã ver- mag wohl einen solchen Zauber auszuüben wie der Buchenwald. Das Düstere des Nadelwaldes wird in ihm gemildert durch das heitere Laubgrün und den Silberglanz der Rinde. Säulenartig streben die Stämme empor, über ihnen wölbt sich das prächtige Dach der Kroneu und
„Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter Sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein.“
(Schiller, der Spaziergang.) Das Holz der Buche hat gleiche Schwere mit dem Eichenholz, ist fest, sehr spaltbar und gehört zu unseren besten Brennhölzern. Von der röthlichen Färbung des Holzes hat der Baum
den Namen Rothbuche erhalten. Die alten Deutschen ritzten die Runen auf buchene Stäbchen ein; daher der Name Buchstabe.
10. Carpinus betulus P., die Hainbuche.
Drei Hainbuchen stehen nahe beisammen am äusseren Wege der Schwanenstrasse gegenüber, ferner eine auf der Westseite und zwei auf dem freien südöstlichen Platze. Auch bei der Hainbuche bilden die monöcischen Blüten Kätzchen, wovon die weiblichen end-, die männ- lichen seitenständig und überhängend sind. Sie erscheinen im April gleichzeitig mit den Blättern. Hinter den Schuppen der männlichen Kätzchen befinden sich je 10— 16 Staubgefässe, deren Fächer auseinander ragen. Bei den weiblichen Blüten werden je zwei derselben von einem ver- längerten Deckblatte umfasst und jedes einzelne Blütchen besteht aus dem von einer dreilappigen Schuppe umgebenen Fruchtknoten, auf welchem zwei Narben zwischen einem sechszähnigen Perigon hervorragen. Die Blütenschuppen, am meisten deren Mittellappen, verlängern sich später bedeutend und umgeben zur Hälfte die gerippte Frucht. Oft sind die Bäume im Spätjahr so reichlich mit Früchten behangen, dass die Blätter theilweise verdeckt werden und dann wie geschlitzt aussehen. Das Blatt ist elliptisch, gestielt, vorn zugespitzt, am Rande doppelt gesägt und längs der Seitenrippen etwas gefaltet. Der Stamm ist mit Längswülsten versehen(spann- rückig) und verästelt sich schon in geringer Höhe. Die Aeste verzweigen sich stark, sind


