Aufsatz 
Untersuchungen über molekularphysikalische Eigenschaften wässeriger Salzlösungen und ihrer Gemische
Entstehung
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Spitzen der Triebe büschelig gehäuft. Das Laub fällt sehr spät ab, manchmal erst im folgenden Frühjahre und man sieht oft Eichen mit verwelktem Laube unter frischbelaubten Bäumen. Im laublosen Zustande ist die Eiche an den gewundenen und geknickten Aesten und Zweigen, was dem Baume seine eigenthümliche Form verleiht, zu erkennen, sowie an dem fünfstrahligen Mark- querschnitt und an den kurzkegelförmigen, stumpfspitzigen Knospen. Die Pappeln, welche eine äàhnliche Form des Markquerschnittes zeigen, haben sehr lange und spitze Knospen.

Die Eiche, den alten Deutschen heilig, ist für uns das Sinnbild der Kraft und Stärke. Bei Turnfesten und anderen Wettkämpfen pflegt man den Sieger mit einem Eichenkranz zu belohnen und wie der Alpenbewohner sich mit einem Edelweiss oder einer Alpenrose schmückt, so nehmen wir gerne von unsern heimischen Bergfahrten ein Zweiglein der deutschen Eiche als ein Zeichen der Erinnerung mit.

Der in der Rinde und den Gallen enthaltene Gerbstoff ist für Gerberei und Färberei von grosser Bedeutung. Die junge glatte Rinde ist zur Lohbereitung die gesuchteste und auch in unserer Gegend sieht man hin und wieder zur Erlangung dieser Rinde angelegte Schälwaldungen. Im Grossherzogthum Hessen nimmt der Eichenschälwald eine Fläche von 37,500 Hektaren ein.¹ Das Eichenholz gehört zu den geschätztesten Nutz- und Werkhölzern. Zu unseren Wein- und Bierfässern werden nur Eichendauben verwendet. Die Eicheln sind ein gutes Futter für Schweine und liefern den Eichelkaffee.

Die Schillereiche in der Friedberger Anlage ist Qu. pedunculata var. pyramidalis, eine sog. Pyramideneiche. Sie wurde 1859 zur Erinnerung an die Säcularfeier Schillers von der damals noch existirenden Gärtnerzunft(Gemüsegärtner und Winzer) gepflanzt.2 Ein schöneres Exem- plar(1854 gepflanzt) steht vor dem christlichen Friedhofe.

Ihre Stammmutter, welche zugleich die Mutter der Pyramideneichen unserer Gegend und wahrscheinlich aller in Deutschland ist, befindet sich eine halbe Stunde von der Eisenbahn- station Babenhausen, nahe bei dem Dorfe Harreshausen. Es ist ein kräftiger gesunder Baum von 2,78 Mtr. Stammumfang in Brusthöhe. Der Stamm erhebt sich senkrecht, astrein, sich nur wenig verjüngend, bis gut ein Drittel der Höhe des Baumes, welche etwa 25 Mtr. beträgt. Die Aeste biegen nahe an ihrer Basis senkrecht nach oben, so dass der Baum von Ferne wie eine italienische Pappel aussieht. Die Spitze fehlt, wahrscheinlich in Folge eines Blitzschlages. Dadurch wird sich auch die Höhenangabe von 100 Fuss(1 Fuss Hessen-Darmst.= 0,25 Mtr.) in der Wetterauer Flora vom Jahre 18013 also gerade so viel wie heute erklären. Wenn übrigens die Angaben dorten richtig sind, so muss unsere Eiche seit jener Zeit die Dicke von damals soll kaum 1 ½ Fuss betragen haben ihren Durchmesser mehr als verdoppelt haben, und das Alter von nahezu 300 Jahren, welche man ihr jetzt zuschreibt, dürfte dann viel zu hoch gegriffen sein.

Früher stand sie in festem Schlusse in einem Eichenwalde, welcher nunmehr abgeholzt ist. Ein Ueberrest dieses Waldes befindet sich in der Nähe. Jetzt steht sie auf freiem Felde, umgeben von 4 Buchen, welche zur Verschönerung hierher gepflanzt wurden. Der freie Stand der Eiche und ihre Höhe setzen sie sehr der Gefahr des Blitzes aus. Aus den Acten der Ober- försterci Babenhausen(Harreshausen) ersieht man, dass sie am 20. Juni 1871 das letzte Mal

¹ Katalog der Landes-Gewerbe-Ausstellung zu Offenbach 1879, pag. 36. ² Eigenthümlich erscheint es, dass gerade eine Abart der deutschen Eiche gewühlt wurde. ³ Flora der Wetterau. Herausgegeben von G. Güärtner, Dr. C. Meyer und Dr. J. Scherbius.