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das sich in zwei Tbeile theilt, oder zwei, die sich zu eins verbinden.““ Das hierauf bezügliche
Gedicht lautet: „Dieses Baumes Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraat, Gibt geheimen Sinn zu kosten, Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, Dass man sie als Eines kennt?
Solche Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn; Fühlst Du nicht an meinen Liedern, Dass ich eins und doppelt bin?“
In dem schönen rotheingebundenen Divan Mariannens, der ein Geschenk des Dichters ist, liegen noch heute drei Blätter des Gingko Biloba an Stellen, wo Marianne sie eingelegt hat. ¹
Die Heimat der Salisburya scheint China zu sein. Herr Professor Rein hat sie in Japan nur cultivirt gesehen. Bei fast jedem Tempel dorten ist dieser Baum angepflanzt, ähnlich wie bei uns in vielen Dörfern die Linde und man schliesst oft aus seiner Anwesenheit, dass früher ein Tempel in der Nähe gestanden haben müsse.
7. Taxus baccata L. Der Eibenbaum.
Die Eibe, welche wir allerwärts in den Anlagen und Gärten als Strauch angepflanzt sehen, steht unmittelbar am Rechneigraben auf der Süd- und Westseite auch nur in dieser Form. Ein Baum, aus zwei Nebenstämmen bestehend, befindet sich auf dem freien Platze südöstlich vom Weiher. Mehrere Taxusbüsche sind rechts am Wege zu dem freien Platze auf der Nordostseite.
Eine sehr schöne Eibe, wohl die schönste in hiesiger Gegend, steht im botanischen Garten bei dem Bibliothekgebäude, der Stiftsstrasse zu. Sie hat einen Stammumfang von 2,2 Mtr. und ihre Aeste breiten sich 1,65 Mtr. über dem Boden in fast wagrechter Richtung weit aus. Einige grosse Aeste mussten s. Z. bei Erbauung des Bibliothekgebäudes abgesägt werden. Die wagrechte Entfernung der Spitze des grössten Astes vom Stamme beträgt 9 Mtr. Die Höhe des Baumes misst 12 Mtr. Die Eibe wird im Allgemeinen nicht sehr hoch; dagegen erreicht sie ein bedeutend hohes Alter, bis zu 3000 Jahren. Da sie sehr langsam wächst, so muss die des botanischen Gartens schon sehr alt sein.„Der jährliche Stärke- zuwachs beträgt in den ersten 150 Lebensjahren durchschnittlich nur 1 Linie, später noch weniger.“? Der 2,2 Mtr. starke Stammumfang obigen Exemplars ergibt mithin in runder Zahl ein Alter von mindestens 320 Jahren. Die Rinde des Eibenstammes ist rothbraun und löst sich, sowie die der dickeren Aeste wie bei der Platane ab. Die Blätter sind immer- grüne, zweireihig angeordnete Nadeln mit einem Mittelnerv, laufen vorn in eine lange Spitze aus und sind oben dunkel-, unten gelblichgrün. Die Blüten sind zweihäusig. Die männlichen
1 Siehe Creizenach ibid.— 2 Rossmässler. Der Wald. 2. Auflage, pag. 367. Anmerk. des Herausgebers.


